Musik mit Tiefgang und Seele

Uelzen: „Deine Cousine“ und Daniel Wirtz zu Gast in der Jabelmannhalle

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Durch Mund-zu-Mund-Propaganda haben es Daniel Wirtz und seine Band schon weit gebracht. Der Deutsch-Rocker hat eine große und treue Fangemeinde – nicht nur in Uelzen.

Uelzen. Es ist ja unbestritten: Bei einem Konzert zweier Bands, die für ihre Songs die deutsche Sprache gewählt haben, ist es nicht nur die Musik, sondern eben auch die inhaltliche Aussage, die zählt.

Die Vorgruppe „Deine Cousine“ mit Frontfrau Ina Bredehorn sorgte für Stimmung, bevor der Hauptact die Bühne rockte.

Schon bei „Deine Cousine“, die den Montagabend für Daniel Wirtz und Band eröffneten, wurde das spürbar. Frontfrau und Namensgeberin Ina Bredehorn flitzte in knappen Hotpants wie ein Derwisch über die Bühne und machte von Beginn an ordentlich Druck. Die Musik rockig, die Texte frech – alles in allem ein überzeugender Auftritt mit einem Mix aus eigenen Kompositionen und Coverversionen, wie beispielsweise „Alles aus Liebe“ von den Toten Hosen.

Gegen 21 Uhr kamen dann Daniel Wirtz und Band auf die Bühne, und es wurde noch ein wenig lauter. Wirtz ist ein Phänomen, denn sein Weg an die Spitze des Rockbusiness folgte nie den üblichen Regularien. Er ist das beste Beispiel, dass Mund-zu-Mund-Propaganda tatsächlich funktioniert und eine aktive Fanbase der beste Multiplikator ist.

Als Xavier Naidoo Daniel Wirtz 2015 in seine preisgekrönte „Sing meinen Song“-Reihe einlud, bekam ein Millionen-Publikum vorgeführt, was die eingefleischten Fans schon lange wussten: Da gibt es tatsächlich einen deutschen Musiker, der viele Jahre ein bisschen unter dem Radar geflogen ist, der aber ganz viel in Menschen bewegen kann. Der ehrlich und authentisch ist.

Oder wie Daniel Wirtz es selber beschreibt: „In meinen Texten lasse ich so tiefe Einblicke zu, dass sich das Singen anfühlt, wie nackt U-Bahn fahren“.

In Uelzen wurde dies nicht nur durch die Songs vom neuesten Album „Die fünfte Dimension“ deutlich, sondern auch durch seine persönliche Ansprache an das überwiegend ältere Publikum in der Jabelmannhalle: „Als Vater eines kleinen Sohnes mache ich mir langsam Sorgen um den Ton in Deutschland“, oder in Bezug auf die zunehmend rechten Tendenzen: „Wir stehen jetzt in der fucking Pflicht, Flagge zu zeigen und nicht das Maul zu halten“. Das Wirtz aber auch sanfter kann, zeigte sich bei dem Song „Seelen“: „Wenn ihr mich fragt, wozu eine Seele da ist – im Grunde zum Baumeln lassen, würde ich sagen.“

Von Oliver Huchthausen

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