Voigtländer kritisiert Prozedere der SPD-Kandidatenkür / Stadtratsfraktionschef zieht Konsequenzen

Munstermann gibt Vorsitz ab

Uelzen. Der Vorstand des SPD-Ortsvereins in der Stadt Uelzen hat sich am Wochenende positioniert: Wunschkandidat für das Amt des Uelzener Bürgermeisters ist, wie berichtet, der derzeitige Erste Stadtrat und parteilose Jürgen Markwardt.

Andere Bewerber um den Posten des Stadtoberhaupts hätten bislang nicht ihr Interesse bekundet, hieß es. Eine Feststellung, die jetzt den SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzenden Jacques Voigtländer den Kopf schütteln lässt. Schließlich hatte auch er, wie berichtet, seinen Hut in den Ring der Bürgermeister-Kandidatur geworfen und sich in der AZ dahingehend erklärt. „Das Normalste wäre doch gewesen, dass der Ortsverein auf mich zukommt“, findet er. Tat der aber nicht. Ebenso wenig wie Voigtländer auf den SPD-Vorstand zugegangen sei. Sein Outing in der AZ, meint er, „hätte ausreichen können“.

Doch damit nicht genug: Offensichtlich hatte auch der Vorsitzende der Uelzener SPD-Stadtratsfraktion, Ralf Munstermann, Interesse an dem Bürgermeister-Posten. Auf AZ-Nachfrage bestätigt er das: „Das ist richtig. Aber die Partei hat mich gebeten, zugunsten von Herrn Markwardt zu verzichten, und diesem Wunsch habe ich entsprochen.“ Nach AZ-Informationen war das bereits im Sommer vergangenen Jahres.

Munstermann übt keineswegs Kritik an der Entscheidung für Jürgen Markwardt. „Er würde ein guter Bürgermeister“, befindet er über den 45-Jährigen, mit dem er auch befreundet ist. Wie aber der SPD-Vorstand zu dieser Entscheidung gekommen ist, sei für Munstermann fragwürdig. „Der Umgang mit mir war enttäuschend.“ Die Konsequenzen daraus hat Munstermann inzwischen gezogen: Er wird den Fraktionsvorsitz im Uelzener Stadtrat abgeben. Am heutigen Dienstag will die Fraktion in interner Sitzung seinen Nachfolger wählen, der ab 1. Februar sein neues Amt ausfüllen soll. Zumindest bis zur Bürgermeisterwahl wolle Munstermann Mitglied der SPD-Fraktion bleiben.

Für Jacques Voigtländer denkwürdige Entwicklungen, die er nicht gut heißen kann: „Der SPD-Vorstand in Uelzen hat nicht nur den eigenen Stadtratsfraktionsvorsitzenden abgelehnt, sondern sich seit Oktober für Herrn Markwardt ausgesprochen. Und das, obwohl man als Vorstand bis zum 1. Dezember die eigenen Mitglieder noch zu einer Kandidatur aufgefordert hatte.“

Ihm persönlich fehle vor diesem Hintergrund nun sowieso das Vertrauen für eine erfolgreiche Kandidatur. „Offensichtlich hat man sich inzwischen dafür entschieden, keine eigenen Leute aufzustellen“, so Voigtländer, „weil man ihnen nicht traut oder sie für nicht ausreichend befähigt hält.“ In einer Mitgliederversammlung am 5. Februar wollen die Sozialdemokraten ihren Bürgermeister-Kandidaten endgültig wählen.

Von Ines Bräutigam

Rubriklistenbild: © Ph. Schulze

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