Heinz Eckert aus Altenmedingen hofft nach Keim-Infektion auf Schmerzensgeld

MRSA: Haftet das Klinikum?

So entwickelt sich der MRSA-Keim auf einer Petriscchale.

Uelzen/Lüneburg. „Das sieht nicht so aus, als gäbe es keinen Haftungsgrund. “ Dem Klinikum Uelzen steht die Zahlung von Schmerzensgeld bevor, machte die Vorsitzende Richterin der 2. Zivilkammer am Landgericht Lüneburg, Christa Dopatka, gestern deutlich.

Kläger Heinz Eckert, ehemaliger SPD-Ratsherr der Samtgemeinde Bevensen, wirft dem Klinikum vor, bei einer Hüft-Operation im Dezember 2008 mit antibiotikaresistenten Krankenhaus-Bakterien MRSA (methicillin-resistente Staphylococcus aureus) infiziert worden zu sein. Infolge der Infektion ist das Einsetzen einer Hüftprothese nicht mehr möglich, da der Erreger seitdem immer wieder ausbricht. Der 69-Jährige ist an den Rollstuhl gefesselt.

Heinz Eckert

Vom Klinikum fordert er rund 100 000 Euro Schmerzensgeld, zusätzlich die Erstattung der Kosten für Treppen-Lift und Auto. Einen Vergleich lehnte der Rechtsanwalt des Klinikums, Michael Weiß aus Leipzig, gestern ab.Während der Verhandlung sagte Professor Ekkehard Hille, Orthopäde aus Hamburg, als Sachverständiger aus, dass das Klinikum möglicherweise hätte vermeiden können, dass der Patient sich seitdem ohne Rollstuhl höchstens 20 Meter fortbewegen kann. Innerhalb von zwei Monaten nach der ersten Operation löste sich viermal die Hüftprothese – Zeichen für eine Infektion: „MRSA kommt bei chronischen Wunden vor“, erläuterte Hille. Wenn das künstliche Gelenk vor Ende Februar 2009 entnommen worden wäre, hätte auch das Abwehrsystem stabilisiert werden können. „Man kann so verhindern, dass der MRSA infektiös wird.“

Dass Eckert diesen Keim in sich trug, erfuhr er Ende März 2009, da habe für ihn bereits Lebensgefahr bestanden.

Im Urteil, das für den 6. Juni erwartet wird, werde es nicht darum gehen, woher der Keim gekommen sei, so Dopatka. Das Klinikum habe nach Aussage der Richterin belegt, dass es zum Zeitpunkt von Eckerts Operation innerhalb von drei Monaten keinen weiteren MRSA-Fall gegeben habe. Daher könne nicht bewiesen werden, ob eine Infektion in dem Krankenhaus stattgefunden habe. Für Eckerts Vertreterin Frauke Zidorn ist das eine Enttäuschung: „Es läuft immer wieder nur auf eine mangelnde Behandlung der Infektion hinaus“, kritisiert die Anwältin. Ihr liegt daran, dass Patienten einen Anspruch darauf erhalten, über Infektionen informiert zu werden.

Von Diane Baatani

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