Überraschender Auftakt im zweiten Prozess gegen Douglas-Bande

Morgen schon Geständnis?

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Uelzen/Lüneburg. Er begann mit scharfen Sicherheitsvorkehrungen sowie 50-minütiger Verzögerung und endete kurze Zeit später mit einer ersten Überraschung – der Auftakt zum zweiten Prozess gegen Mitglieder der Douglas-Bande nahm gestern Morgen vor der 1. Großen Jugendkammer des Landgerichtes Lüneburg einen nicht alltäglichen Verlauf.

Bevor die Angeklageschrift gegen vier heute 18 bis 20 Jahre alte Männer aus Uelzen überhaupt verlesen wurde – teilweise wurden die Angeklagten in Hand- und Fussfesseln aus der U-Haft heraus vorgeführt –, zogen sich Gericht, Verteidiger und Staatsanwaltschaft zu einem Gespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit zurück. Dieses laut Gerichtssprecher Dr. Sebastian Puth mit „Blick auf eine Verständigung“ geführte Gespräch dauerte bis weit in die Nachmittagsstunden an. Erste Ergebnisse der Zusammenkunft hinter verschlossenen Türen: Die für den zweiten Prozesstag am morgigen Freitag vorgesehenen Zeugen wurden „abgeladen“, wie Dr. Puth formulierte. Und: Da es sich um ein sehr komplexes Verfahren mit unterschiedlichen Vorwürfen und Gewichtung handele – die Palette der Anklage reicht von besonders schwerer räuberischer Erpressung bis hin zu Diebstahlsdelikten –, müsse alles sorgfältig sortiert werden. „Dabei setzt das Gericht auf Verständigung, um den Prozess möglichst gut zu gestalten und zu steuern“, so der Gerichtssprecher. Vielleicht, so Dr. Puth ergänzend, nutze der ein oder andere Angeklagte den Freitag zu einer persönlichen Einlassung. Konkret: Eventuell könnten einer oder mehrere Angeklagte bereits am zweiten Prozesstag Geständnisse ablegen.

Zur Erinnerung: Das Landgericht Lüneburg hat im Vorfeld neun Verhandlungstage angesetzt. Die den Angeklagten vorgeworfenen Straftaten beziehen sich auf den Zeitraum von Anfang September bis Ende November 2011 und ereigneten sich im Uelzener Stadtgebiet. Bevor sich die Prozessbeteiligten gestern Vormittag zurückzogen, hatte einer der vier Verteidiger bereits die Einstellung des Verfahrens gefordert. Begründung: Durch eine Pressekampagne in verschiedenen Medien sei ein faires Verfahren nicht mehr gewährleistet. Sowohl durch die Quantität als auch die Qualität der Berichterstattung habe es eine offensichtliche Vorverurteilung der Angeklagten gegeben. Die übrigen drei Verteidiger folgten dem Antrag ausdrücklich nicht.

Noch nicht abgeschlossen ist derweil das Verfahren gegen zwei weitere Uelzener Mitglieder der Douglas-Bande, die sich seit Herbst vergangenen Jahres wegen versuchten Totschlags ebenfalls vor dem Landgericht verantworten müssen. „Noch stehen drei Verhandlungstage an, dann sehen wir weiter“, sagte Dr. Puth auf AZ-Nachfrage.

Von Andreas Becker

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