Schülern soll ab kommendem Halbjahr der Weg in die Ausbildung erleichtert werden

BBS I: Modellprojekt mit Flüchtlingen

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An den Berufsbildenden Schulen (BBS) I in Uelzen gibt es im Schuljahr 2015/16 wegen der steigenden Flüchtlingszahlen zum ersten Mal mindestens eine Klasse speziell für Aussiedler und Ausländer. Wie viele Schüler sich dafür anmelden, weiß bisher niemand.

Uelzen. Ab dem Schuljahr 2015/16 nehmen die Berufsbildenden Schulen (BBS) I Uelzen am Innovationsprojekt „Duale Berufsausbildungsvorbereitung“ des Landes Niedersachsen teil.

Ziel des Projektes sei es, die Schüler durch zwei betriebliche Ausbildungstage pro Woche und „eine Art Ganztagsbeschulung“ an die 40-Stunden-Woche eines Auszubildenden heranzuführen, erklärt Stefan Nowatschin, Schulleiter der BBS I. Außerdem wird auf eine stärkere soziale Betreuung und Fördermaßnahmen gesetzt.

Das Besondere daran: Wegen der steigenden Flüchtlingszahlen wird auch mindestens eine Klasse des Berufsvorbereitungsjahres für Aussiedler und Ausländer (BVJ-A) an diesem Projekt teilnehmen. Außerdem werden eine Klasse der einjährigen Berufsfachschule (BFS) und die übrigen Klassen des Berufsvorbereitungsjahres (BVJ) ab kommendem Schuljahr zu Modellklassen, erklärt Nowatschin.

Die Ausbildung in diesen Modellklassen erfolgt bislang ausschließlich in der Schule. Im Rahmen des Projekts sollen die Schüler das Schuljahr bereits als erstes Ausbildungsjahr anerkannt bekommen – und damit auch schon einen Ausbildungsplatz haben.

Die zunehmenden Flüchtlingszahlen stellen die Schule übrigens vor ganz neue Herausforderungen: „Bisher gab es eine Handvoll Schüler, die haben wir integrativ mit den anderen BVJ-Schülern beschult“, erklärt der BBS-Leiter. „Jetzt haben wir zum Schuljahresstart aber schon mindestens eine BVJ-A-Klasse.“

Wie viele Klassen es genau werden, weiß er noch nicht. „Da tappen wir bundesweit im Dunkeln, was die Zahlen betrifft.“ Nowatschin weiß, wovon er spricht – er ist auch stellvertretender Vorsitzender im Bundesverband der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen.

Das BVJ-A dient – so vom Kultusministerium vorgesehen – vorwiegend dem Erlernen der deutschen Sprache. „Das stellt uns vor ein großes Problem“, sagt Nowatschin. Denn bislang gebe es an den BBS I nur zwei Lehrkräfte, die für Deutsch als Fremdsprache ausgebildet seien.

Mit der Teilnahme an Modellprojekten haben die BBS I übrigens schon Erfahrungen: Bis Ende Juni war die Schule noch am Modellprojekt „Teilhabe und Inklusion im Übergang Schule-Beruf in der Modellregion Lüneburg“ (TIM) beteiligt. Und zwar um körperlich beeinträchtigte Schüler beim Übergang von allgemeinbildenden Schulen in die Berufsausbildung zu unterstützen. Denn ab dem Schuljahr 2018/19 wird es auch an berufsbildenden Schulen einen Rechtsanspruch für die inklusive Schule geben. Nowatschin und sein Team legen aber schon jetzt großen Wert auf das Thema. „Wir sind schon lange eine inklusive Schule“, sagt er.

Von Sophie Borm

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