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Wie der Fall der getöteten Beamten die Uelzener Polizisten beschäftigt

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Von: Norman Reuter

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Polizisten sperren die Kreisstraße 22 bei Mayweilerhof in Rheinland-Pfalz. Unweit der Stelle sind bei einer Kontrolle eines Fahrzeugs die beiden Polizisten getötet worden.
Polizisten sperren die Kreisstraße 22 bei Mayweilerhof in Rheinland-Pfalz. Unweit der Stelle sind bei einer Kontrolle eines Fahrzeugs die beiden Polizisten getötet worden. © dpa/Sebastian Gollnow

Der Beruf des Polizisten ist gefährlich, wie die getöteten Beamten aus Rheinland-Pfalz zeigen. Sie waren beide noch keine 30 Jahre alt. Der Fall beschäftigt Polizisten auch im Uelzener Kommissariat, in dem junge Kräfte am Start sind. „Wir reden viel über den Fall“, berichtet die 26-jährige Kommissarin Jasmin Ritz.

Uelzen – Die Zahlen schwanken. Aber: „Zwischen fünf und zehn Fahrzeugen sind es schon, die wir pro Schicht anhalten“, berichtet die Uelzener Polizeikommissarin Jasmin Ritz. Die 26-Jährige weiß nie, was auf sie und ihren Kollegen zukommt, wenn sie an ein Auto herantreten.

Der Fall der beiden getöteten Polizisten aus Rheinland-Pfalz, die bei einer Kontrolle eines Fahrzeugs erschossen wurden, habe sie erschüttert, erzählt Ritz. Und sie verhehlt nicht, dass sie ein „mulmiges Gefühl“ beschlichen habe, als sie dann zur nächsten Streifenfahrt aufbrach.

Noch ist nicht abschließend geklärt, wieso es zu den tödlichen Schüssen in Rheinland-Pfalz kam. Ersten Ermittlungen zufolge könnten die getöteten Polizisten auf Wilderer getroffen sein. Gegen einen 32- und einen 38-Jährigen wurden Haftbefehle wegen Mordes erlassen.

„Man hofft, nie in eine solche Situation zu kommen“, sagt Jasmin Ritz. Bei der Arbeit sei es auch nie der Hauptgedanke, dass so etwas Schlimmes passieren könne. „Als Polizist will man helfen“, sagt Ritz zu ihrer Motivation.

Der Fall ruft ihr ins Bewusstsein, was aber passieren kann. „Das sensibilisiert einen. Du gehst noch mal durch, was du gelernt hast“, so die Kommissarin.

Das Wissen werde regelmäßig aufgefrischt, schildert Kai Richter, Sprecher der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen. „Das nennt sich systematisches Einsatztraining“ und laufe auch in Corona-Zeiten. Neben dem Schießen würden in Schulungen unter anderem die Eigensicherung, die Ansprache und Methoden zur Deeskalation behandelt.

Auf Streife im Einsatz: Polizeikommissarin Jasmin Ritz.
Auf Streife im Einsatz: Polizeikommissarin Jasmin Ritz. © Volontär

Richter betont, solche Taten wie jetzt in Rheinland-Pfalz seien glücklicherweise Einzelfälle. Und doch: Polizisten sehen sich inzwischen öfter mit gewaltenbereiten Menschen konfrontiert – auch in der Region. Der zuletzt ausgeschiedene Leiter des Uelzener Streifendienstes, Ralf Munstermann, hatte zum Dienstende resümiert: „Es ist viel unberechenbarer geworden. Ein Polizist muss jetzt immer auch damit rechnen, dass sein Gegenüber bewaffnet ist.“

Inzwischen sind Bodycams in nahezu jedem Streifenwagen im Einsatz. „Wir haben unsere Schutzausrüstung“, sagt Ritz, die über ihre Polizeiarbeit auch in sozialen Netzwerken berichtet. Bei Kontrollen zeige ihr das Bauchgefühl recht schnell, wie sich der Einsatz entwickle. Ob sie oder ihr Kollegen den Angehaltenen anspreche, das entscheide sich kurzfristig. „Wir wechseln uns da auch ab“, so die Beamtin.

Die Angehaltenen können ihrerseits dazu beitragen, damit Kontrollen für beide Seiten möglichst entspannt verlaufen. Der Angesprochene solle sich ruhig verhalten, keine hektischen Bewegungen machen und den Anweisungen folgen, so Polizeisprecher Kai Richter. Autofahrer sollten auch sitzen bleiben und möglichst die Hände dort behalten, wo sie gesehen werden könnten.

Die beiden Polizisten aus Rheinland-Pfalz waren noch keine 30 Jahre alt. Das ist, was Jasmin Ritz auch bewegt – mit Blick auf ihre tägliche Arbeit im Uelzener Kommissariat. „Das hat mich schockiert. In meiner Schicht sind auch super junge Kollegen“, erzählt Ritz.

Sie alle stehen noch unter dem Eindruck der Tat: „Wir reden viel darüber“, so die Polizeikommissarin. „Das hilft dabei, Zweifel und Ängste zu nehmen, dass man sich noch einmal selbst vergewissert“, sagt Ritz. Denn klar ist: Auch in der nächsten Schicht sind Fahrzeuge anzuhalten.

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