Priester wirkte von 1975 bis 1977 als Kaplan in der Stadt

Missbrauchsverdacht erfasst Uelzen – die Suche nach den Opfern

Die Kirche „Zum Göttlichen Erlöser“ in Uelzen.
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Die Kirche „Zum Göttlichen Erlöser“ in Uelzen. Hier war der verdächtige Seelsorger einst Kaplan.
  • Lars Becker
    vonLars Becker
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Uelzen – Im Bistum Hildesheim gibt es Hinweise auf einen neuen möglichen Missbrauchsfall, der diesmal bis in die Hansestadt Uelzen ausstrahlt. Denn der 2019 verstorbene Priester Georg M., der eine pädosexuelle Veranlagung gehabt und vermutlich 2015 sexualisierte Gewalt gegen einen Jungen ausgeübt haben soll, war vor mehr als 40 Jahren als Kaplan in der katholischen Kirchengemeinde „Zum Göttlichen Erlöser“ tätig.

Wie ein Sprecher der Diözese auf Anfrage der AZ konkretisierte, war Georg M. im November 1975 als Jungpriester nach Uelzen gekommen und bis Mitte August 1977 geblieben. 1969 war er zum Priester geweiht worden. Pater Wieslaw, der seit Oktober 2020 die einzige katholische Pfarrei im Landkreis Uelzen leitet (AZ berichtete), wurde am vergangenen Freitag vom Bistum in Kenntnis gesetzt.

Gemeinde erfährt von Fall im Gottesdienst

„Ich habe dann mit unserer Präventionsbeauftragten Miriam Bleibel umgehend einen Text verfasst und die Mitglieder von Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand informiert. Eine etwas kürzere Fassung ist dann am Samstag und Sonntag in allen Gottesdiensten in unseren vier Kirchen verlesen worden“, erläuterte Pater Wieslaw.

Ihm sei es wichtig gewesen, alle Gremien- und Gemeindemitglieder so schnell wie möglich darüber zu informieren, dass im Bistum den Hinweisen auf mögliche Vergehen des ehemaligen Priesters nachgegangen werde. „Alle, die damals Opfer geworden sein könnten oder die etwas wissen, sollen den Mut fassen, sich zu melden“, so der Pfarrer. Bislang habe sich die Resonanz aber darauf beschränkt, dass einzelne Personen sich noch daran erinnert hätten, dass Georg M. in den 1970er Jahren in Uelzen gewirkt hätte.

Das Bistum Hildesheim hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die jetzt in akribischer Kleinarbeit die gesamte Pries-terlaufbahn von Georg M. untersuchen soll. Die Ergebnisse dieser Nachforschungen würden vom Bistum veröffentlicht. Anlass für die Bildung der Arbeitsgruppe seien Angaben von Zeitzeugen gewesen, die der Pfarrer der Gemeinde St. Petrus in Wolfenbüttel erhalten habe. Demnach soll Georg M. dort, wo er seit 2009 als Ruhestandsgeistlicher eingesetzt war, im Jahr 2015 sexualisierte Gewalt gegen einen Jungen ausgeübt haben.

Als Kaplan wirkte Georg M. nicht nur in Uelzen, sondern zuvor schon in Bad Gandersheim (St. Maria Himmelfahrt), Groß Ilsede (St. Bernward) und Salzgitter-Gebhardshagen (St. Gabriel). Als Pastor oder Pfarrer arbeitete er dann in Ronnenberg (St. Thomas Morus), Lehre (St. Martin), Salzgitter (Christ König) und Cuxhaven (St. Marien), ehe er 2005 in den Ruhestand versetzt wurde.

„Die Recherche wird sicher nicht einfach, weil sie die mehr als 40-jährige Priesterlaufbahn des beschuldigten Geistlichen betrifft. Aber es ist absolut notwendig, um Licht ins Dunkel zu bringen. Ich möchte mögliche Betroffene ausdrücklich ermutigen, sich an unsere unabhängigen Ansprechpersonen zu wenden“, sagt der Hildesheimer Generalvikar Martin Wilk.

Arbeitsgruppe nimmt die Recherche auf

Potenzielle Zeitzeugen aus Uelzen, die konkrete Hinweise zu möglichen weiteren Verfehlungen von Georg M. in der Zeit zwischen November 1975 und August 1977 geben möchten, sollen diese Mobilfunknummer nutzen: (01 51) 660 580 51. Dort erreichen sie Wolfgang Rosenbusch. Der Vorsitzende Richter am Landgericht Hannover a.D. wurde damit beauftragt, die Nachforschungen zu leiten und die vorliegenden Hinweise zu überprüfen.

Für den Fall, dass im Zuge der Aufklärungsbemühungen tatsächlich weitere Hinweise oder Verdachtsfälle bekannt werden sollten, die im Zusammenhang mit den pastoralen Tätigkeiten von Georg M. stehen, hat das Bistum Hildesheim den Pfarreien bereits jetzt alle Unterstützung zugesagt.

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