30 Flüchtlinge trainieren mit Stephan Blödorn und Pietro Papa von Teutonia Uelzen

90 Minuten die Sorgen vergessen

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Warmlaufen, Passübungen, Spiel – 90 Minuten lang konnten sich 30 Flüchtlinge aus der Pestalozzi-Halle am Dienstag austoben und Spaß haben – dank einer Aktion der Teutonia, die sich nicht zum ersten und wohl auch nicht zum letzten Mal engagiert hat.

Uelzen. Die Flüchtlinge aus der Pestalozzi-Halle und die Fußballer von Teutonia Uelzen bringen einander Glück: Zum einen gewannen die Kicker im Sportpark am Königsberg zum ersten Mal in dieser Saison einen Oberliga-Punkt, als sie von den Flüchtlingen angefeuert wurden, die sie zu diesem Spiel eingeladen hatten.

Zum anderen war den rund 30 jungen Männern beim „Sondertraining“ am Dienstag die Freude an der Bewegung und der Spaß am Spiel deutlich anzumerken, als es nach dem gemeinsamen Aufwärmen und Passübungen zu einem Spiel elf gegen elf von „Team Blödorn“ gegen „Team Papa“ kam. Auf beiden Seiten rannten Marokkaner, Syrer, Afghanen, Togolesen, Kurden, Iraner und Männer weiterer Nationen hinter dem Ball her. „Defense or offense?“ – die Frage, ob einer in Abwehr oder im Angriff spielen wolle, hatte Stephan Blödorn mit seinem Team noch vor dem Anpfiff des Spaß-Spiels noch klären können, alles andere musste in unterschiedlichen Sprachen auf dem Feld abgesprochen werden: „Hey, hey, hey! My friend!“, „Mon ami!“ oder auch: „Avanti“ – irgendwie klappte die Verständigung untereinander, und Stephan Blödorn stellte fest: „Man sieht, dass alle schon mal Fußball gespielt haben!“ Eine Verstärkung für den Kampf um den Klassenerhalt sei nicht zu erkennen, aber darum sei es auch nicht gegangen: „Wir denken einfach, dass denen die Decke auf den Kopf fällt, wenn sie nie aus ihrer Halle kommen. Da wollten wir als Mannschaft ‘was tun.“

Rebas (2. v. r.) war bester Torschütze der Partie, Jack (l.) will gerne in Uelzen bleiben, und Stephan Blödorn und Pietro Papa (r.) sorgten dafür, dass sich alle 30 Flüchtlinge bewegten und Spaß hatten.

Eine Idee, die unter anderem zahlreiche Spieler und Teutonia-Fans unterstützten, indem sie Fußballschuhe zur Verfügung stellten. Stephan Blödorn: „Manche spielen jetzt zwar in Schuhen, die drei Nummern zu groß sind – aber besser als drei Nummern zu klein.“ Jack aus Togo strahlt nach der Partie über beide Ohren: „Das war sehr schön! Sonst warten wir immer nur.“ Jack gefällt es in Uelzen, er findet es schön ruhig. Er erklärt in perfektem Deutsch, dass er gerne bleiben und Polizist werden würde, auch wenn er in seiner Heimat Jura studiert hat. „Polizist war immer mein Traumberuf.“

Von Steffen Kahl

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