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Ministerpräsident Stephan Weil zu Gast beim Uelzener Adventskalender

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Von: Lars Becker, Bernd Schossadowski

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Mehrere hundert Menschen stehen vor dem Alten Rathaus in Uelzen.
Vor dem Alten Rathaus in Uelzen kamen am Freitagabend mehrere hundert Menschen zur Abschlussveranstaltung des Adventskalenders zusammen. © Oliver Huchthausen

Nach zwei Jahren coronabedingter Pause hat Uelzen am Freitagabend das Finale des Adventskalenders gefeiert. Zu Gast am Alten Rathaus war wieder einmal Ministerpräsident Stephan Weil. Er erzählte eine Weihnachtsgeschichte.

Uelzen – Vielleicht hätten Bürgermeister Jürgen Markwardt und der Leiter des Eigenbetriebs Kultur-Tourismus-Stadtmarketing, Alexander Hass, das Wetter am Freitagabend zum Auftakt der Abschlussveranstaltung des Uelzener Adventskalenders nicht loben sollen. Denn da war es noch trocken. Doch das sollte sich bald ändern: Regen setzte ein und hörte nicht mehr auf. Davon ließ sich der prominenteste Gast des Abends, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, aber nicht verdrießen. Er trug vor mehreren hundert Menschen eine zu Herzen gehende Geschichte vor, die sich an Heiligabend 1914 ereignet hatte.

Es handelte sich um eine wahre Begebenheit im Ersten Weltkrieg. In den deutschen Stellungen an der Front in Flandern brandete Gesang auf, Weihnachtslieder zogen übers Schlachtfeld. Alle Gedanken an Krieg und Hass der Völker waren vergessen. Plötzlich kletterte ein deutscher Leutnant aus dem Schützengraben und ging in Richtung der feindlichen Stellung. Von dort kam ihm ein britischer Soldat entgegen. Es kam zur spontanen Verbrüderung – und nicht nur dort, sondern in den nächsten Tagen überall an der Westfront. Sogar Fußballspiele zwischen deutschen und britischen Soldaten wurden ausgetragen.

Doch kurz darauf stoppte die Obrigkeit das friedliche Intermezzo. Das massenhafte Morden begann erneut und dauerte noch vier Jahre an. „Friede auf Erden, das ist die Weihnachtsbotschaft“, sagte Weil. „Wünschen wir uns das ganz besonders und vor allen Dingen den Menschen in der Ukraine.“

Aus jenem Land, das unter dem russischen Angriffskrieg leidet, traten gestern zwei Musiker auf: Aleksandr Schulgin aus Charkiw und Anasteisha Karaieva aus Kiew, die ein selbst geschriebenes Friedenslied auf Ukrainisch sangen. Und die musikalische Reise durch Europa ging weiter. Das französische Chanson-Duo „MademoiCelle“ war ebenso zu hören wie die Band „Baul Muluy Pipes and Drums“, die auf Dudelsäcken spielte, zudem der Chor „Cantar Corona“ unter der Leitung von Mathias Wegener sowie fünf Blechbläser, die zu Beginn von der Plattform der großen Weihnachtspyramide musizierten. Außerdem enthüllten die Engel das 24. und letzte Bild des Adventskalenders, das von Roxi Menssing geschaffen wurde. Es trägt den Titel „Feliz Navidad“.

Danach überreichte Bürgermeister Markwardt dem Ministerpräsidenten das Uelzener Gastro-Quartett des Service-Clubs Round Table. „Vielen Dank, ich glaube, ich bleibe länger“, sagte Weil und lachte. Ein besonderes Lob zollte Markwardt allen Zuschauern, die trotz des Regens bis zum Schluss ausgeharrt hatten. „Ihr seid echte Uelzer“, rief er ihnen zu und betonte: „Wir hier kriegen nur Regen ab, aber in der Ukraine fallen Bomben.“

Wie in den Jahren zuvor hatte Weils Besuch in Uelzen mit einem Austausch über aktuelle politische Themen begonnen. Landrat Dr. Heiko Blume begrüßte den Ministerpräsidenten im neuen Kreishaus. Mit dabei in der Runde waren die komplette Verwaltungsspitze der Hansestadt, die des Landkreises, die Landtagsabgeordneten Jörg Hillmer (CDU) und Pascal Leddin (Grüne) sowie die Fraktionsvorsitzenden aus Kreistag und Stadtrat.

Weils Ankunft verzögerte sich um einige Minuten. Allerdings war er nicht, wie zunächst scherzhaft vermutet wurde, irrtümlich zum alten Kreishaus an die Veerßer Straße gefahren worden. „Im Navi war eine Straßensperrung mitten in Uelzen nicht vorgesehen. Deshalb haben wir uns auf dem Kaufland-Parkplatz wiedergefunden – eine Umleitung hätte geholfen“, lachte der Landesvater – wie gewohnt bestens aufgelegt, wenn er am 23. Dezember in der Hansestadt weilt. „Ich freue mich, dass ich diesen Tag – wie schon seit 2013 – wieder so haben kann, wie ich das gewohnt bin. Der Termin markiert das Ende des politischen Arbeitsjahres. Leider hatte das durch die Pandemie ein jähes Ende“, sagte der SPD-Politiker.

Mit den Vertretern von Politik und Verwaltung rauschte Weil durch die Themen: Flüchtlings- und Energiekrise, Wassermanagement für die Landwirtschaft, Wolfs-Problematik, Bahn-Ausbau zwischen Hamburg und Hannover, ärztliche Versorgung im ländlichen Raum (ausführlicher Bericht folgt).

Landrat Blume und Bürgermeister Markwardt überreichten Weil zum Abschluss jene Resolutionen, die Kreistag und Stadtrat vor wenigen Tagen verabschiedet hatten (AZ berichtete). „Es war genauso schön, wie ich es in Erinnerung hatte“, sagte Weil, um dann zum Alten Rathaus aufzubrechen und zu versprechen, am 23. Dezember 2023 wiederzukommen: zum politischen Austausch (dann ins Rathaus) und anschließend zum Adventskalender-Finale.

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