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Millionen-Hilfe der Hansestadt für „ihre“ Stadtwerke: Land macht‘s möglich

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Von: Lars Becker

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Erklären die Hintergründe der Liquiditäts-Hilfe in Millionenhöhe: Stadtwerke-Chef Markus Schümann (links) und Bürgermeister Jürgen Markwardt, hier im Badue.
Erklären die Hintergründe der Liquiditäts-Hilfe in Millionenhöhe: Stadtwerke-Chef Markus Schümann und Bürgermeister Jürgen Markwardt, hier im Badue mit der stellvertretenden Bad-Leiterin Alina Hermstrüwer (von links). © Norman Reuter

Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt und Stadtwerke-Chef Markus Schümann erläutern die Hintergründe des Liquiditäts-Kredites der Hansestadt für die Stadtwerke. Ihr Tenor: Der Energieversorger ist in keinster Weise gefährdet, der jetzt öffentlich gemachte Vorgang ist absolut „normal“.

Uelzen – Weil die Hansestadt Uelzen über liquide Mittel in zweistelliger Millionenhöhe verfügt, hat sie der Stadtwerke Uelzen GmbH als Tochtergesellschaft offeriert, ihr eine Kontokorrentlinie von bis zu vier Millionen Euro einzuräumen. Das erklären Bürgermeister Jürgen Markwardt und Stadtwerke-Chef Markus Schümann.

Die Stadtwerke hätten sich das Geld nicht – wie sonst üblich – über Banken beschafft, „weil wir das Angebot der Hansestadt unterbreitet bekommen haben, diesen möglicherweise vorhandenen kurzfristigen, vorübergehenden Finanzbedarf durch ein dort vorhandenes Polster zu decken“, so Schümann.

Kein Abschluss langfristiger Beschaffungsverträge

Das Land Niedersachsen habe mit einer Neuregelung möglich gemacht, dass neben Eigenbetrieben auch eine Konzern-GmbH wie die Stadtwerke am praktizierten Geldmanagement beteiligt werden könne, so Markwardt.

„Das Unternehmen ist solide aufgestellt“, betont Schümann. Mögliche Liquiditätsschwankungen durch die Energiebeschaffung seien „bankenseitig beplant“ worden. Das Beschaffungsmanagement der Stadtwerke sei besonders in der Krise darauf ausgerichtet worden, Risiken zu begrenzen. Daher habe sich in den letzten Monaten der Abschluss langfristiger Beschaffungsverträge verboten.

Der Verwaltungsausschuss der Hansestadt Uelzen hatte am Montag (16. Januar) unter dem Tagesordnungspunkt „Liquiditätsmanagement im Konzern Hansestadt Uelzen“ die Bereitstellung der Kontokorrentlinie in genannter Millionen-Höhe befürwortet. Die finale Entscheidung trifft am Montag, 23. Januar, ab 18.30 Uhr der Stadtrat.

Rat wird mit größter Wahrscheinlichkeit zustimmen

Der wird im Anschluss an die öffentlichen Tagesordnungspunkte im Ratssaal nicht-öffentlich über die Unterstützung für die Stadtwerke abstimmen – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ebenfalls positiv. Denn klar ist: Derlei Unterstützung hat es schon in der Vergangenheit gegeben, etwa über Bürgschaften.

Bürgermeister Jürgen Markwardt spricht gegenüber az-online.de deshalb von einem „völlig normalen Vorgang“. Er sagt: „Hier holt sich die Tochter Stadtwerke nur Geld bei der Mutter – bei der Stadt – und nicht von der Bank.“

Das Stadtoberhaupt erläutert: „Der Bedarf an liquiden Mitteln zum Jahresanfang ist aufgrund der Energiekrise und der Preise am Markt bei Energieversorgen höher als in der Vergangenheit. Die Hansestadt als Konzernmutter kann den Stadtwerken hier problemlos bei dem vorübergehenden Engpass aushelfen und sich beteiligen, weil ausreichend Mittel bei der Stadt vorhanden sind. Wir bekommen Zinsen dafür, und die Mittel fließen bis zum 31. Juli zurück.“

„Cash-Pool“ der Stadt mit Eigenbetrieben

Ein entsprechendes Geldmanagement („Cash-Pool“) finde, so Markwardt, innerhalb der Hansestadt Uelzen und deren Eigenbetrieben quasi tagtäglich statt: mit den Betrieblichen Diensten, mit dem Stadtforst, mit dem Eigenbetrieb Kultur, Tourismus, Stadtmarketing (KTS) oder der Gebäudewirtschaft. „Die Möglichkeit, dies auch auf eine Konzern-GmbH auszuweiten, ermöglicht nun das Land Niedersachen aufgrund der aktuellen Situation“, so Markwardt.

Der Bürgermeister sagt, dass er genau mit dieser neuen, bis zum Sommer 2024 befristeten Möglichkeit des „Cash-Poolings“ mit einer städtischen GmbH offensiv umgehen wolle. Daher habe er Wert darauf gelegt, die finanzielle Hilfe für die Stadtwerke öffentlich bekanntzugeben.

Für den heimischen Energieversorger hat Geschäftsführer Markus Schümann ausführlich Stellung genommen zu Fragen der AZ im Zusammenhang mit dem Liquiditätskredit der Hansestadt Uelzen.

Vier Millionen Euro werden „vollständig abgerufen“

Er stellt heraus: „Eine Absicherung von Liquiditätsbedürfnissen der Stadtwerke Uelzen ist kein einmaliger Vorgang. Diese werden normalerweise über Kontokorrentlinien bei Banken abgesichert. Aufgrund der Tatsache, dass das Land Niedersachsen der Hansestadt Uelzen die Möglichkeit gibt, der Stadtwerke Uelzen GmbH als Tochtergesellschaft liquide Mittel bereitzustellen, haben wir diesen Weg einvernehmlich gewählt. Diese Mittel werden unabhängig von der Notwendigkeit vollständig abgerufen und bis Mitte des Jahres an die Hansestadt zurückgeführt.“

Man habe das Geld eben nicht über eine Bank beschafft, „weil wir das Angebot der Hansestadt Uelzen unterbreitet bekommen haben, diesen möglicherweise vorhandenen kurzfristigen, vorübergehenden Finanzbedarf durch ein dort vorhandenes Polster zu decken“, so der Stadtwerke-Chef.

Energieversorger sieht sich „solide aufgestellt“

Schümann erläutert: „Die Hansestadt als Eigentümerin der Stadtwerke Uelzen GmbH hat mehrere Wege, ihre Tochtergesellschaft zu finanzieren. Ein Weg ist immer die Stärkung des Eigenkapitals über eine Einlage oder die Thesaurierung von Jahresüberschüssen. Deswegen wurden in den vergangenen Jahren häufig positive Jahresergebnisse nicht in vollem Umfang ausgeschüttet, sondern ein Teil verblieb im Unternehmen. Bürgschaften waren in den letzten Jahren ein Element von Darlehensaufnahmen.“

Wichtigste Botschaft von Markus Schümann: „Die Stadtwerke Uelzen blicken trotz der Krisenthemen auf einen erfreulichen Geschäftsverlauf der vergangenen Jahre zurück. Das Unternehmen ist solide aufgestellt und erfolgreich in der Wahrnehmung und Bewältigung seiner Aufgaben.“ Dazu gehörten in besonderem Maße alle Maßnahmen zum Ausbau der Versorgungssysteme der Hansestadt, um zügig Klimaneutralität zu erreichen. „Daher werden nach wie vor in unverminderter Intensität alle Projekte und Maßnahmen ergriffen, um diese Zielstellung voranzutreiben und umzusetzen.“

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