Gutachten: Für neue Ansiedlungsflächen müsste Stadt tief in die Tasche greifen

20 Millionen für den Uelzener Hafen

+
Die Umschlagszahlen im alten Hafen steigen stetig. Die Gutachter schlagen eine Verlängerung der Kaikante vor.

Uelzen. Dass Uelzen ein neues Industrie- und Gewerbegebiet benötige, daran ließen die beiden Vertreter des Lübecker Beratungsunternehmen „CPL Competence in Ports and Logistics“ keinen Zweifel.

Sie präsentierten in einer gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und des Gremiums für Wirtschaftsförderung ein Standortgutachten für ein neues Gewerbegebiet „Hafen Ost“. Für den vorhandenen Hafen hatten Jobst Schlennstedt und sein Kollege Thomas Brauner für Uelzens Ratsvertreter aber auch noch eine Empfehlung im Köcher. Nur: Beide erfordern jeweils Investitionen im zweistelligen Millionenbereich.

Schlennstedt rechnete vor, dass bis zum Jahr 2030 in Uelzen eine Nachfrage von Gewerbe- und Industrieflächen von 60 Hektar auflaufen würde. In der Stadt seien hingegen nur noch 34,5 Hektar verfügbar, davon 10,85 Industrieflächen. Nach einem Bau der Autobahn 39 würde sich die Nachfrage mindestens verdoppeln. Ausweg: Die Ausweisung eines neuen, rund 100 Hektar großen Industrie- und Gewerbegebietes am Ostufer des Elbe-Seitenkanals. „Eine andere Fläche von dieser Größe und Qualität haben wir im Stadtgebiet nicht“, warf Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull in der Fragerunde nach der Präsentation ein.

In einem ersten Aufschlag könne ein 35 Hektar großes Areal erschlossen werden. Aber nicht unbedingt zwingend in der Form eines Hafenausbaus. „Nur wenn Bedarf da ist, und sich der Investor an den Ausbaukosten beteiligt“, riet Schlennstedt dringend. Die würden ohne Hafenkante ohnehin schon fast 20 Millionen Euro (Landkauf, Straßenbau etc.) verschlingen. Durch den Verkauf der Industrie- und Gewerbeflächen ließen sich bis zu 15 Millionen Euro erzielen. Die Deckungslücke könnte zumindest zum Teil durch Förderprogramme von Land, Bund oder EU beseitigt werden. Würde mit einem Kai (400 Meter) und Gleis erschlossen, bewege man sich um die 30 Millionen Euro. „Wir haben die Kosten bewusst hoch angesetzt“, sagte Schlennstedt.

Weil im bestehenden Hafen die Umschlagszahlen stetig steigen, schlagen die Experten eine Verlängerung der Kaikante vor. Bei 150 Metern kalkulieren sie knapp zehn Millionen Euro Kosten, bei 300 Metern 13 Millionen Euro.

Die Stadt Uelzen will nun Möglichkeiten zur Optimierung des Ladeverkehrs im Althafen prüfen, ebenso eine Verlängerung der Kaikante. Jetzt beraten die Fraktionen über das Gutachten.

Von Jens Schopp

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare