Firmenchef spricht von besonderer Lage

Nächste Fahrt zu Uelzena: Milchbauern wieder in Aktion

Uelzena-Hauptgeschäftsführer Jörn Dwehus (rechts) stellte sich dem Gespräch mit den Landwirten und BDM-Vertreter Hermann Rosebrock (Mitte).
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Uelzena-Hauptgeschäftsführer Jörn Dwehus (rechts) stellte sich dem Gespräch mit den Landwirten und BDM-Vertreter Hermann Rosebrock (Mitte).

Uelzen – Sie hatten ihr Wiederkommen angekündigt. So versammelten sich gestern, 18. November, vor dem Verwaltungsgebäude der Uelzena eG in Uelzen erneut Milchbauern. Ihre Sorgen: Aktuell ausgezahlte Milchpreise reichen nicht, um die Kosten zu decken.

Vor einer Woche hatten sie, wie berichtet, aus diesem Grund bereits Uwe Radke als Uelzena-Geschäftsführer einen Forderungskatalog übergeben. Darin war zu lesen: Mindestens 15 Cent mehr müsse gezahlt werden. Gebeten worden war auch um eine Stellungnahme bis gestern. Die Milchbauern holten sie persönlich ab.

Aus dem Nachbarlandkreis Lüchow-Dannenberg hat sich dafür Milchbauer Kai Kraßmann auf den Weg gemacht. Er hält 30 Milchkühe. Der Landwirt berichtet: Die Aufzucht eines Kalbs kostet etwa 1500 Euro. Die Ausgaben für Stallungen würden für eine Milchkuh bei 8000 bis 14 000 Euro liegen. Hinzukommen würden Lohn- und Futterkosten. Und Investitionen, um Vorgaben zu erfüllen. „Eine Bodenplatte für die Lagerung für Mist“, nennt er als ein Beispiel.

Hohe Kosten durch Vorgaben

Gerade für kleine Betriebe seien das immense Ausgaben, schildert Hermann Rosebrock vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM). Er ärgert sich: Den deutschen Landwirten würden Vorgaben gemacht und aus Polen 2,5 Milliarden Liter Milch importiert.

Letztlich, so sieht es der Verbandsvertreter, seien Menschen bereit, mehr Geld für Milchprodukte zu zahlen, damit auch die Landwirte leben könnten. Dafür müssten aber die Preise in den Supermärkten entsprechend angehoben werden. Druck soll aktuell über die milchverarbeitenden Betriebe aufgebaut werden. In einem Konvoi sind so gestern auch Landwirte von Elsdorf (Landkreis Rotenburg) nach Bremen gezogen, um am Deutschen Milchkontor für höhere Preise einzutreten. Nach Angaben von Veranstaltern wurden 500 Traktoren gezählt.

Zu einem solchen Aufgebot ist es gestern vor Uelzena nicht gekommen. Eine Gruppe von gut einem halben Dutzend Landwirte hat sich zusammengefunden. Gegen 11.15 Uhr nehmen sie die Ausführungen der Uelzena eG aus den Händen des Vorstandsvorsitzenden und Hauptgeschäftsführers Jörn Dwehus entgegen.

Er stellte sich auch dem Gespräch, bat zugleich um Entschuldigung, dass man coronabedingt niemanden ins Werk lassen könne.

Dwehus erinnerte daran, dass die Uelzena eG wie die Landwirte unter den Vorgaben leide. „Wenn wir für 15 Millionen Euro Filter einbauen müssen, dann ist auch noch kein Cent mehr verdient“, sagte Dwehus. Und: In diesem Jahr treffe die Corona-Pandemie auch die milchverarbeitenden Betriebe. Bei Produkten für die Gastronomie oder für Kakao-Automaten an Rasthöfen gebe es einen Einbruch. „Wir sind massiv betroffen“, so Dewehus zu den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie.

Uelzena-Chef: Werk braucht hiesige Bauern

15 Cent mehr könnten nicht gezahlt werden, dann sei das Werk in kurzer Zeit dicht, so Dwehus. Gleichwohl wisse man um die Lage. „Mein Bruder ist Milchviehhalter“, sagte der Hauptgeschäftsführer. Und jeder Milchlieferant, der wegbreche, sei einer zu viel. Denn: Uelzena arbeite mit hiesigen Landwirten.

Die Aktion der Landwirte gestern und vergangene Woche wird getragen von einer Reihe von Verbänden und Interessensvertretern. Mit diesen werde man die Auskünfte von Uelzena auswerten, schilderte Hermann Rosebrock zum Schluss. In diesem Zuge würden die Beteiligten darüber beratschlagen, ob es weitere Aktionen geben solle und wie diese gegebenenfalls aussehen könnten.

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