„Die Vereine tun zu wenig“

Metronom nach Fan-Krawallen mit Vorwürfen Richtung HSV

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Wie 2015 in Bremen: HSV-Hooligans beschäftigten am Sonnabend Bundespolizei und Metronom Eisenbahngesellschaft. Über 300 „Fans“ wurden in Hannover nach Hamburg zurückgeschickt.

Uelzen/Hamburg. Nach den Ausschreitung von HSV-Fans auf dem Weg zum Spiel in Wolfsburg erhebt die Uelzener Metronom Eisenbahngesellschaft Vorwürfe gegen den Hamburger Traditionsverein.

„Wir haben dem HSV einen Sonderzug angeboten, aber den wollten sie nicht“, sagte Unternehmenssprecher Björn Pamperin gestern auf AZ-Anfrage.

HSV-Fans randalierten in mehreren Zügen. Foto: Metronom

Diese Mitteilung ist nicht unerheblich, denn nach übereinstimmenden Einschätzungen von Metronom und Bundespolizei hätte ein Sonderzug verhindern können, dass mehrere Hundert Fußballfans auf dem Weg Richtung Wolfsburg im Metronom und am Hauptbahnhof Hannover randalierten und für Sachbeschädigungen im Zug sowie für zahlreiche Verspätungen im Bahnverkehr sorgten – und die vor allem zahlreiche andere Reisende verängstigten. Sowohl Pamperin als auch Martin Ackert, Sprecher der Bundespolizei Hannover, meinten, dass Sonderzüge sich auf das Fan-Verhalten positiv auswirkten. Ein Sonderzug, erläuterte Pamperin, würde durch Verein oder Fan-organisation gechartert und die Fans finanzierten den Zug über die Tickets, die sie zu üblichen Konditionen erwerben könnten. Fußball-Fans und „normale“ Reisende wären so automatisch getrennt, die Sicherheit erhöht und für eventuelle Schäden würde der Charterer haften. Die Fans hielten sich schon allein deswegen im Zaume.

„Die Vereine tun definitiv zu wenig, sonst hätten wir solche Situationen wie am Wochenende nicht“, machte Pamperin keinen Hehl daraus, wie er die Verantwortung von Fußballvereinen für Eskalationen wie am Sonnabend sieht. Und „Der Einfluss der Vereine ist größer, als sie denken“, legte er nach.

Der HSV teilte über Joachim Ranau, Leiter Fanbetreuung, mit, dass das der Einsatz eines Sonderzuges in der „AG Fanreiseverkehr“, in der neben dem Verein auch Metronom und Bahn seien, diskutiert wurde. Mit dem Sonderzug so Ranau, hätten Fans aber doppelt so viel bezahlen müssen wie bei einer Fahrt mit einem Gruppenticket.

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Ranau teilte die Einschätzung, dass ein Sonderzug eine gute Sache sei, nicht zuletzt wegen eines üblicherweise mitreisenden „fanbekannten“ Ordnungsdienstes. Aber auch künftig hänge der Einsatz eines solchen Zuges von einem attraktiven Fahrpreis ab. Verantwortung für die Vorfälle, die auch dazu führten, dass 40 Uelzener Bundespolizisten von einem Einsatz in Osnabrück nach Hannover abkommandiert wurden, lehnte Ranau indes ab: „Wir können als Fußballverein keine Verantwortung für das Verhalten von Fans auf den Anreisewegen übernehmen.“

Hoffnung auf sichere Zugfahrten können sich Metronom-Reisenden dennoch machen. Denn die Clubs sind grundsätzlich zum Nutzen von Sonderzügen bereit. Seit 2015 gab es vom HSV, Bremen und St. Pauli positive Beispiele. Und in zwei Wochen fahren St.-Pauli-Fans mit einem Sonderzug nach Braunschweig.

Von Steffen Kahl

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