Das Aus für den Metronom?

Unter der Belegschaft geht die Angst um, sagt Betriebsratsvorsitzender Andreas Panczyk.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Ihre blau-gelbe Uniform trugen sie mit Stolz in den vergangenen sieben Jahren. Metronom, das stand für eine besondere Philosophie in Sachen Kundenservice. Ein Denken, das der kaufmännische Geschäftsführer Henning Weize bei jedem Einstellungsgespräch vermittelte. Dazu kamen eine anspruchsvolle Ausbildung, häufige Nachschulungen und ein Tarifvertrag, der anständige Bezahlung für engagierte Leistung beinhaltet.

Die Belegschaft des Metronom in dieser Woche: Stolz und Selbstbewusstsein sind tiefer Verunsicherung und auch Verzweiflung gewichen. „Hier haben Kollegen Tränen in den Augen“, sagt eine Fahrgastbetreuerin. Denn mit der Entlassung von Weize und seinem Kollegen Carsten Hein ist wohl auch eine Philosophie gekündigt worden, die sich ohne die beiden führenden Köpfe nicht aufrecht erhalten lässt.

Pünktliche und saubere Züge, freundliches Personal, stetig ansteigende Fahrgastzahlen, eine vernünftige Bezahlung der Mitarbeiter – der Metronom gilt als eine der größten Erfolgsstorys der jüngeren Eisenbahngeschichte. Doch gerade diese überragende Entwicklung könnte der Uelzener Privatbahn jetzt zum Verhängnis werden – denn der mächtigen Konkurrenz stößt der Erfolg des Metronom bitter auf.

Und so ist es kein Zufall, dass gerade jetzt die beiden Geschäftsführer, deren Lebenswerk der Aufbau des Metronom ist und die als das Herzstück der Erfolgsstory gelten, jetzt gefeuert wurden. Am Ende dieser Entlassung könnte sogar die Zerschlagung des Unternehmens stehen. „Bei uns ist die große Angst ausgebrochen“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Andreas Panczyk.

Durch die Abberufungen ist das Uelzener Unternehmen in einer ganz entscheidenden Phase offenbar bewusst geschwächt worden. Parallel zu den Entlassungen übernimmt nämlich die Bahn den Mehrheitseigner des Metronom, die Arriva, und kann so womöglich verhindern, dass Metronom sich bewerben kann etwa für die Heidebahn von Uelzen nach Langwedel oder für die Hannoveraner S-Bahn.

Dazu kommt, dass die Benex, mit 25,1 Prozent Gesellschafter beim Metronom, in diesen Tagen verkündet, ab Dezember werde es ein Metronom-Handy-ticket geben – davon weiß in Uelzen selbst die Vertriebsabteilung nichts.

Weiter verkündet die Benex, sie habe die Ausschreibung für das Hansenetz gewonnen, die rentable Nahverkehrsstrecke zwischen Uelzen, Hamburg und Bremen – tatsächlich hatte den Zuschlag der Metronom bekommen. „Und am Freitag kann man dann lesen, dass Benex gerne den Metronom kaufen will – das ist doch alles kein Zufall“, ahnt man in der Belegschaft und Andreas Panczyk spricht es aus.

Denn Benex, die Holdinggesellschaft der Hamburger Hochbahn AG, ist bekannt für ihre Dumpinglöhne. Und im Juni läuft der Tarifvertrag beim Metronom aus… „Wenn man da eins und eins zusammenzählt, ist ziemlich klar, was hier abgeht“, sagt Panczyk.

In der Belegschaft geht jetzt die Angst um, dass Metronom geschluckt, womöglich sogar zerschlagen wird – und eine Erfolgsgeschichte den Machtspielen der Eisenbahn-Manager zum Opfer fällt.OHE-Vorstand Wolfgang Birlin versucht in diesen Tagen, im Verwaltungsgebäude an der St.-Viti-Straße die Wogen zu glätten. Doch er ist nur eine Übergangslösung, die Belegschaft traut ihm nicht über den Weg bei den Versprechungen, die in diesen Tagen zu hören sind. „Da wird das Konzept ,weiter so’ proklamiert, aber ob das funktioniert ohne die zwei Geschäftsführer, die tief im operativen Geschäft steckten und sogar an den Wochenenden für die Firma arbeiteten?“, fragt der Betriebsratsvorsitzende Andreas Panczyk.

Interims-Geschäftsführer Wolfgang Birlin setzt derweil in den nächsten Wochen auch auf die zweite Führungsebene des Metronom: „Da gibt es hervorragende Leute, die diese Aufgaben übernehmen können“, erklärte er gestern gegenüber der AZ. Die Belegschaft sei vor allem durch Presseartikel verunsichert.

Allerdings räumt der OHE-Vorstand auch ein, „dass wir für die Trennung von den Geschäftsführern auch den Mitarbeitern keine Gründe genannt haben und dazu auch vorerst nichts sagen werden“. Vertrauen erweckt das derweil beim Personal nicht: „Angesichts eines solchen Stils können wir uns doch vorstellen, was uns jetzt noch alles blüht“, drückt Panczyk die Stimmung unter den Kollegen aus.

Es ist ein Stil, der der Metronom-Belegschaft bislang fremd war. Doch der Ton, der künftig angeschlagen wird, dürfte rauer werden. „Künftig werden Gewinnerwartungen und Dum-pinglöhne hier zwei Schlagworte werden“, ahnt Panczyk. Und die würden dann wichtiger sein als Kundenzufriedenheit und Service. Andere private Eisenbahnen kennen die Tricks. Bis zu 30 Prozent weniger Lohn und andernorts wird auch schon mal Zugpersonal über die Reinigungsfirma eingestellt, um möglichst wenig zahlen zu müssen.

Das wäre das Ende der Metronom-Erfolgsgeschichte – und womöglich sogar das Ende des Uelzener Eisenbahnunternehmens. Bei der Belegschaft hofft man jetzt auf die Unterstützung aus der Politik.

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