Lüneburger Landgericht fällt Urteil / 5000 Euro Schmerzensgeld / Verteidigung verzichtet auf Rechtsmittel

Messerstecher muss für sechs Jahre in Haft

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Lüneburg/Rätzlingen. Sechs Jahre muss der Mann ins Gefängnis, der im April dieses Jahres mit einer Maske über dem Kopf in Rätzlingen versucht hatte, seine Wohnungsnachbarin auszurauben. Damit folgte die Kammer dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Erst seit wenigen Wochen lebte die Frau mit ihrem Peiniger Tür an Tür. „Wir kannten uns nicht. Weil ich ja den ganzen Tag arbeitete, war ich ihm noch nicht so oft begegnet“, erklärte das 58-jährige Opfer. Als er dann an einem Sonntagabend mit einer schwarzen Maske auf dem Kopf in ihre Wohnung drängte, erkannte sie trotzdem sehr bald, dass es sich um den neuen Nachbarn von nebenan handelte, erzählte sie vor Gericht.

„Geld, Scheckkarte und Pin-Nummer“, hatte der Eindringling von ihr gefordert. Hilfe-Schreie und Gegenwehr nützten ihr nichts. Immer wieder versuchte er, mit einem Küchenmesser auf sie einzustechen. Durch ihre Abwehrhandlungen verletzte das Messer ihre beiden Hände, so dass sie bis heute noch nicht wieder arbeiten könne.

„Was da passierte, ist mit Geld nicht wieder gut zu machen“, sagte Matthias Steuernagel, Vorsitzender Richter am Landgericht, bei der Begründung des Urteils. Trotzdem umfasst das Urteil des Landgerichts Lüneburg wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung ein Schmerzensgeld von 5000 Euro, das der Angeklagte seinem Opfer zahlen muss. „Das ist das Mindeste“, sagte Steuernagel und betonte, dass die Tat trotz einer erheblichen Menge Alkohol nicht im Zustand verminderter Schuldfähigkeit begangen worden sei.

Der mehrfach vorbestrafte Mann, der zum Zeitpunkt der Tat noch unter Bewährung stand, hatte die meisten seiner Straftaten unter Alkohol begangen, wie im Verlauf der Beweisaufnahme festgestellt worden war. Ein Psychiater hatte dem Angeklagten zudem eine dissoziale Persönlichkeitsstörung bescheinigt. Sein geringes Einfühlungsvermögen in Andere sei dafür symptomatisch. Demgemäß wusste der Angeklagte auf die Frage, ob ihn die Schreie und die Angst seines Opfers nicht beeindruckt hätten, keine Antwort. Die Mutter habe dem Sohn alles durchgehen lassen, stand in einem früheren Urteil der Jugendkammer am Landgericht Hildesheim. Sie war es auch, die in Rätzlingen die Wohnung für ihren Sohn angemietet hat, der keine Arbeit hatte und ständig in Geldnöten war.

Das erste Jahr soll der 23-jährige im Gefängnis verbringen und dann zu einem Alkoholentzug in einer geschlossenen Anstalt untergebracht werden. Das Urteil ist rechtskräftig. Verteidigerin Wiebke Schröder erklärte für ihren Mandanten einen Rechtsmittelverzicht, obwohl sie zunächst nur auf vier Jahre Haft plädiert hatte. Sein Opfer, eine 58-jährige Medizinisch-Technische Assistentin, ist inzwischen in einen anderen Ort verzogen, wo sie hofft, nun nach dem endgültigen Abschluss des Verfahrens, die begonnene Trauma-Therapie erfolgreich zu Ende zu bringen.

Von Angelika Jansen

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