Mit dem Messer in der Tasche

Uelzens Polizei trifft zunehmend auf Menschen, die mit Stichwaffen unterwegs sind

Ein Polizist sichert Spuren: Nicht jedes Messer ist erlaubt.
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Ein Polizist sichert Spuren: Nicht jedes Messer ist erlaubt.

Uelzen/Landkreis – Polizisten treffen bei Einsätzen und Kontrollen in der Region inzwischen häufiger auf Menschen, die unerlaubte Stichwaffen bei sich führen. Das erklärt Kai Richter, Sprecher der hiesigen Polizeiinspektion, im Gespräch mit der AZ.

Wenngleich es sich nicht um ein Massenphänomen handele, „es ist zu einer unguten Sitte geworden, dass Menschen Messer mit sich führen“, sagt Richter.

Mit einem Messer in der Tasche fühlen sich die einen sicherer. „Es gibt ihnen ein Sicherheitsgefühl“, sagt Kai Richter. Andere stellen die Waffen mitunter im Bekanntenkreis zur Schau. „Sie kommen sich cool damit vor.“

So oder so: Ein Fall, mit dem sich in dieser Woche das Landgericht in Lüneburg befasste, zeigt, was geschehen kann, wenn jemand mit einer Stichwaffe oder einem Messer unterwegs ist. Mitte Oktober ist ein 27-Jähriger am Uelzener ZOB zu Tode gekommen. Ein Streit um ein angeblich gestohlenes Fahrrad eskalierte.

Ein 37-Jähriger stach mit einem Butterfly-Messer zu. Die Landgerichtskammer bewertete dies als Notwehr, weil der Mann zuvor vom 27-Jährigen mit einer Flasche angegriffen worden sei. Geahndet wurde ein Verstoß gegen das Waffengesetz – mit einer Geldstrafe von 900 Euro. Für Richter Franz Kompisch ist die Auseinandersetzung ein Beispiel dafür, warum das Mitsichführen von solchen Messern in Deutschland verboten sei, wie er bei der Urteilsverkündung am Mittwoch sagte.

Würden bei Personen unerlaubte Messer und Waffen entdeckt, so stelle die Polizei diese sicher, erläutert Kai Richter. Die Personen müssten mit einem Strafverfahren rechnen. Seit 2012 gilt ein verschärftes Waffengesetz, wonach Messer, die sich mit einer Hand ausklappen lassen, oder auch Messer mit einer bestimmten Klingenlänge nicht mitgeführt werden dürfen, es sei denn – vereinfacht gesagt – sie werden zu Berufszwecken benötigt.

Eine aktuelle Statistik zu den Verstößen gegen das Waffengesetz liegt dem Polizeisprecher nicht vor. Der Blick in die Berichte der Kollegen würden aber zeigen, dass die Polizei verstärkt damit zu tun habe, so Richter. Genaue Zahlen liegen zu den Straftaten vor, die mit einem Messer oder einer Stichwaffe begangen wurden. 2017 waren dies für den Landkreis Uelzen 45, wobei es sich bei den meisten um Bedrohungen handelte. 2018 waren es dann 56 Straftaten. Für das zurückliegende Jahr kommt die Statistik auf 39 Fälle, wobei darunter auch die tödliche Messerstecherei am ZOB fällt.

VON NORMAN REUTER

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