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Menschenkette gegen die „Wahnsinns-Trasse“ der Bahn

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Von: Norman Reuter

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Protestaktion gegen die Deutsche Bahn. Menschen säumen die Straße zwischen Kirch- und Westerweyhe.
Menschen säumen die Straße zwischen Kirch- und Westerweyhe. © Reuter, Norman

Ein Signal an die Deutsche Bahn: Am Freitagabend reihen sich Menschen wie Perlen an einer Kette aneinander – und zwar entlang der Ortsverbindungsstraße zwischen Kirch- und Westerweyhe. Mit der Menschenkette sprechen sich die Teilnehmer gegen eine etwaige Neubautrasse aus, die zwischen den beiden Ortschaften verlaufen könnte, um mehr Schienenkapazitäten im norddeutschen Raum zu schaffen. Die Organisatoren sprachen von 1400 bis 1500 Teilnehmern an der Aktion.

Uelzen-Kirchweyhe – Um 18.49 Uhr, eine Minute vor dem offiziellen Start der Aktion, berichtet Ortsbürgermeister Karl-Heinz Günther über die Lautsprecher-Anlage: „Die Menschenkette ist geschlossen.“ Bis in Kirch- und Westerweyhe hinein, entlang der gesamten Ortsverbindungsstraße stehen am Freitagabend Menschen. „Es sind zwischen 1400 und 1500 Teilnehmer“, bilanziert Günther. „Das ist irre.“

Die Aktion richtet sich gegen etwaige Pläne für eine Neubautrasse, die zwischen beiden Orten und auch durch den Uelzener Stadtwald verlaufen könnte. Bürgerinitiativen, die die Pläne öffentlich machten, haben auch zur Menschenkette aufgerufen – allen voran die gerade erst jüngst gegründete BI „Kirch- und Westerweyhe DB-Trassenwahn.“

Die Signale stehen auf Rot: Eine Botschaft, die gestern an die Bahn gehen soll.
Die Signale stehen auf Rot: Eine Botschaft, die gestern an die Bahn gehen soll. © Reuter, Norman

Gisela Jenckel-Paulini aus Vinstedt, die bereits 2015 gegen Neubaupläne der Bahn durch den Landkreis aufgestanden ist, gehört zu den Teilnehmern der Aktion. Sie erinnert daran, dass damals in einem Dialogforum etwaigen Neubaustrecken eine Absage erteilt und dafür der Ausbau von Bestandsstrecken vereinbart worden sei. „Wir hatten eine Lösung und ich dachte, ich brauche nicht mehr zu demonstrieren. Jetzt stehe ich wieder auf der Straße“, so die Vinstedterin.

Jörn Westermann, Landwirt aus Tätendorf-Eppensen, befürchtet Verluste von Flächen. Er wohnt direkt an der B4, die mögliche DB-Neubautrasse würde dann hinter seinem Hof entlanglaufen. Eine Szenario, das er sich nicht vorstellen mag.

Mit Bannern und Plakaten bringen die Teilnehmer ihren Unmut zum Ausdruck.
Mit Bannern und Plakaten bringen die Teilnehmer ihren Unmut zum Ausdruck. © Reuter, Norman

Es ist ein breites Bündnis, das sich zwischen Kirch- und Westerweyhe gegen etwaige DB-Neubaupläne stemmt: Bürger, Vertreter von Kirchen, aus der Forst, Mitarbeiter von Unternehmen wie den Uelzener Stadtwerken, die sich – wie berichtet – um ein Wasserschutzgebiet sorgen, Vereine, Politiker sowie Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt und Landrat Dr. Heiko Blume.

Letzterer findet im Anschluss an die Aktion bei einer kurzen Kundgebung deutliche Worte in Richtung Bahn und Verkehrsministerium in Berlin. Das, was da an Kommunikation geboten werde, sei „unter aller Sau“. Auch er erinnert an die Ergebnisse des Dialogforums – mit dem Vorrang für den Bestandsausbau: Aber in Gesprächen mit der Bahn und dem Ministerium tauche jetzt in den Köpfen der Bestandsausbau gar nicht mehr auf. Das sei in Gänze betrachtet „schlicht eine Schweinerei.“ Bürgermeister Jürgen Markwardt nennt die Bahnpläne eine „Wahnsinns-Trasse“. Wenn jemand das Vertrauen der Menschen missbrauche, dann sei das zurzeit die DB.

Im Anschluss gab es eine Kundgebung.
Im Anschluss gab es eine Kundgebung. © Reuter, Norman

Ortsbürgermeister und BI-Sprecher Karl-Heinz Günther macht am Freitagabend deutlich: Bei dieser Protestaktion wird es nicht bleiben. Bereits am 19. August sind Mahnfeuer geplant. Denn: „Wir wollen nicht für dumm verkauft werden. Wir wollen uns wehren. Wir wollen in Berlin gehört werden.“

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