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Menschen in Uelzen bangen um ihre Familien im Iran

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Von: Theresa Brand

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Ali Bagherpour, Moloud Rezaeezadeh, Saeideh Shafaei Daestani, Sandra Suck und Maziar Memarzadeh (von links) mit ihren Kindern
Ali Bagherpour, Moloud Rezaeezadeh, Saeideh Shafaei Daestani, Sandra Suck und Maziar Memarzadeh (von links) mit ihren Kindern  hoffen auf Unterstützung und Solidarität aus Deutschland. © Brand, Theresa

Seit dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini am 16. September protestieren die Menschen im Iran gegen das islamische Regime. Im ganzen Land geht die Polizei hart gegen die Demonstranten vor, der Kontakt zur Außenwelt wird abgeschnitten. Hier bangen die Angehörigen um ihre Freunde und Familien.

Uelzen-Kirchweyhe – Über 40 Tage hatte Moloud Rezaeezadeh keinen Kontakt zu ihrer Familie in Teheran. Im Iran war das Internet zeitweise abgeschaltet, telefonieren unmöglich. Auch jetzt ist es immer noch schwierig, denn nach wie vor kommt nur selten eine Internetverbindung zustande.

„Alle haben Angst“, erzählt Moloud. Ihre Mutter höre immer die Fahrzeuge der Polizei, Schüsse auf der Straße. Sie mache sich große Sorgen: „Wenn die Kinder zur Schule gehen, weiß man nie – kommen sie wieder?“ Denn nicht nur, wer derzeit auf die Straße geht, um zu protestieren, muss im schlimmsten Fall damit rechnen, getötet zu werden. Menschenrechtsorganisationen gehen von mehr als 300 Toten aus, darunter mindestens 30 Minderjährige.

Noch leben alle Angehörigen der Iraner, mit denen sich die AZ nun getroffen hat – doch alle rechnen mit dem Schlimmsten. Maziar, der seit acht Jahren in Deutschland lebt, kann es sich kaum vorstellen: „Es ist schwer, daran zu denken, dass wir unsere Eltern vielleicht niemals wieder sehen.“

„Die Menschen brauchen Solidarität“


Saideh kämpft mit den Tränen, als sie von ihrer Familie berichtet: „Meine Schwester war schwanger mit Zwillingen. Plötzlich waren auf der Straße Demonstranten und Polizei.“ Niemand habe Rücksicht genommen, sodass die Schwangere unerwartet Blutungen bekam. „Sie hat eins der Kinder verloren, das andere kam zwei Monate zu früh auf die Welt.“ Ihr Cousin, der im Iran als Journalist arbeite, sei derzeit im Gefängnis.

Saideh sagt: „Wir würden gerne mehr machen, aber wir können nicht.“ Darin sind sich alle einig, die Situation ist schwierig: „Die Menschen dort können das nicht alleine schaffen. Sie brauchen Solidarität aus der ganzen Welt“, erklärt Ali.

Dafür brauche es Aufmerksamkeit, denn vielen sei nicht bewusst, was aktuell im Iran geschehe. Ali betont: „Es geht dabei nicht um Religion oder das Kopftuch. Es geht um Freiheit, um Menschenrechte und um Frauenrechte.“ Sie alle wünschen sich Solidarität von den Menschen hier in Deutschland und auch in Uelzen.

Sandra Suck, die seit fünf Jahren mit Maziar zusammenlebt, erklärt: „Es ist schwieriger, für ein Regime, Menschen zu ermorden, wenn die ganze Welt zuschaut.“ Daher hofft sie, dass durch die sozialen Medien und öffentliche Mahnwachen immer mehr Menschen aufmerksam werden. Obwohl sie selbst keine direkten Angehörigen im Iran hat, ist die Situation für sie schlimm. „Meine Kinder haben noch nie ihre iranische Oma gesehen“, erzählt sie. Auch die vielen Videos und Nachrichten, die sie durch ihre Freunde zu sehen bekommt, bringen sie zur Verzweiflung: „Ich kann mir das oft nicht mehr angucken.“

„Das ist echter Krieg“

Sie alle wünschen sich Freiheit für die Menschen im Iran. „Freiheit bedeutet, anziehen zu können, was man will“, sagt Maloud. Sie selbst wurde im Iran mehrfach von der Polizei festgenommen – einmal, weil sie einen orangefarbenen Mantel trug. Sie hat oft Gewalt und Übergriffe erfahren, hauptsächlich durch die Polizei. Für Maloud steht fest: „Auch wenn Frieden herrscht: Ich kann dort nicht mehr leben. Ich habe so viele schlimme Erfahrungen gemacht. Die Erlebnisse lassen mich nicht los.“

Die junge Frau sagt: „Wir möchten nicht, dass geschossen wird. Aber wir sehen keine andere Lösung als die Proteste.“ Und so hofft sie, dass das Regime zu Fall gebracht wird. Doch bis innerer Frieden herrscht, ist es noch ein langer Weg. Ali meint: „Das ist echter Krieg, der dort herrscht.“

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