Mensch 2013: Für die Bahnhofsmission begleitet Horst Spatz Reisende

Teamplayer am Gleis

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Walter Spatz (links) spricht mit Wolfgang Scholz, Leiter der Bahnhofsmission Uelzen, Termine ab. Seit 2009 hilft er regelmäßig in dem Team mit.

Uelzen. Die Kompetenz in Sachen Hilfe für den Nächsten hat sich Walter Spatz in seinem langen Arbeitsleben als Sozialarbeiter bei der Diakonie erworben.

Sie kommt ihm auch im Ruhestand zugute: Nach seinem Einstieg in den wohlverdienten Ruhestand dauerte es nicht lange, bis um Hilfe gebeten wurde. Bereitwillig übernahm er zunächst ehrenamtlich gesetzliche Betreuungen und gehört heute dem Team der Uelzener Bahnhofsmission an.

„Es geht um Menschen, die nur schwer alleine zurechtkommen“, versucht er seine Motive zu beschreiben. Das ist seine Stärke: „Zupacken“, wenn er gebraucht wird. Es liegt ihm nicht, nur so für sich zu leben, und so stieg er im Jahr 2009 als ehrenamtlicher Helfer bei der Bahnhofsmission am Uelzener Bahnhof ein. Dort hilft er Gestrandeten und verloren Gegangenen.

Jeden Donnerstag ist er als einer von 14 ehrenamtlichen Mitarbeitern für den Bahnsteigdienst eingeteilt. Die Ankunftszeiten der Züge haben Spatz und seine Kollegen genau im Kopf. „Wir stürzen uns nicht auf die Leute“, erzählt er, „aber wir sehen, wenn jemand Hilfe am Bahnsteig braucht, und bieten unsere Unterstützung an“, beispielsweise für Menschen im Rollstuhl, mit dem Rollator oder die mit mehreren Kindern am Bahnsteig unterwegs sind.

Wenn verspätete Züge den Anschluss verhindern und Reisende nicht wissen, wie es weitergeht, sind Spatz und seine Kollegen da und können helfen. In der Bahnhofsmission können Reisende unterkommen, aufatmen, sich in Ruhe neu orientieren, wenn sie ihre Anschlüsse verpasst haben, ihr Baby wickeln müssen oder einfach nur einen Kaffee trinken wollen.

Das Begleiten von Menschen, die nicht alleine reisen können, gehört zu den zentralen Aufgaben der Bahnhofsmission. „Die Betroffenen melden die geplante Fahrt vorher an und werden dann meist von einem der ehrenamtlichen Mitarbeiter bis zum Zielbahnhof begleitet“, berichtet Spatz. Für Wolfgang Scholz, Chef der Bahnhofsmission und einer von zwei hauptamtlichen Mitarbeitern, kam die Unterstützung von Spatz zur richtigen Zeit. Denn seit 2009 stiegen die Anfragen um mehr als 500 Prozent. Das Team der Bahnhofsmission schätzt am Einsatz des 74-jährigen Spatz vor allem auch seine Unterstützung für andere Mitarbeiter bei unterschiedlichsten Fragestellungen.

„Wir arbeiten hier Hand in Hand und schmeißen uns die Bälle zu“, sagt Teamplayer Spatz hingegen bescheiden, der seinen Einsatz biblisch begründen möchte. „Seid aber Täter des Wortes, nicht Hörer allein“, zitiert Spatz, dem die praktische Hilfe mehr liegt als nur darüber zu reden. „Geld und Gutscheine sind die schlechteste Hilfe“, meint er aus Erfahrung und hält sich lieber an die Hilfe, die den Menschen hilft, sich selbst zu helfen. In den Wochen vor Weihnachten engagiert er sich, wenn die Bahnhofsmission ihm Zeit lässt, als Vorleser. „Meine Frau und ich sind gesund, uns geht es gut und deshalb möchten wir etwas zurückgeben.“ Wer helfe, säe auch Hilfsbereitschaft unter den Menschen.

Von Angelika Jansen

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