Es gibt Lob und Kritik

AZ spricht mit Handwerksvertretern über Meisterpflicht: „Signal für mehr Qualität“

Wer sich als Fliesenleger selbstständig machen will, benötigt wieder einen Meisterbrief. Für zwölf Handwerksberufe ist wieder die Meisterpflicht eingeführt worden.
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Wer sich als Fliesenleger selbstständig machen will, benötigt wieder einen Meisterbrief. Für zwölf Handwerksberufe ist wieder die Meisterpflicht eingeführt worden.

Mit dem Jahr 2020 kehrt die Meisterpflicht für zwölf Handwerksberufe zurück. Wer sich selbstständig machen und ausbilden will, muss den „großen Befähigungsnachweis“ besitzen. Die Politik macht damit die Rolle rückwärts. Die AZ hat mit hiesigen Handwerksvertretern gesprochen. Es gibt Lob und Kritik.

Uelzen/Landkreis – Für Horst Saevecke ist es ein Durchbruch, an den er kaum noch glauben wollte. Das scheinbar Unmögliche sei geschehen, meint der Uelzener Kreishandwerksmeister. Für zwölf Handwerksberufe wird ab 2020 wieder der Meisterbrief verlangt.

Der Meisterbrief steht, so Horst Saevecke, für Qualität. Mit ihm darf ausgebildet werden. „Beides ist absolut notwendig, sowohl für den Erhalt der jeweiligen Handwerksberufe als auch für die Zufriedenheit der Verbraucher“, urteilt der Kreishandwerksmeister.

Horst Saevecke, Kreishandwerksmeister

Mit der Rückkehr zur Meisterpflicht für die zwölf Berufe hat die Bundespolitik eine Rolle rückwärts vollführt. 2004 war sie es, die für 53 Berufe die Meisterpflicht abgeschafft hatte – die damalige Bundesregierung wollte damit erreichen, dass mehr Menschen den Weg ins Handwerk finden. Das ist nicht merklich eingetreten, dafür stieg aber die Zahl der Selbstständigen. Ein Preiskampf setzte ein. Auch bei der Qualität sei es bergab gegangen, weiß Thorsten Jeschke zu berichten, der in Uelzen einen Fliesenleger-Betrieb in zweiter Generation führt. Er sei zu Baustellen gerufen worden, auf denen Fliesenleger „ohne jegliches Grundwissen“ zu Gange gewesen seien.

Für Fliesenleger kehrt nun wieder die Meisterpflicht zurück. Genauso für die Platten- und Mosaikleger, Parkettleger, Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Drechsler und Holzspielzeugmacher, Böttcher, Glasveredler, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Raumausstatter, die Betonstein- und Terrazzohersteller, Estrichleger, Behälter- und Apparatebauer sowie für Orgel- und Harmoniumbauer.

Horst Saevecke spricht von einer Wertschätzung, die mit diesem Schritt dem Handwerk entgegengebracht werde. Detlef Bade, Präsident der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade meint, die Entscheidung sei notwendiges Signal für mehr Qualität und Qualifizierung im Handwerk. „Der Meister wird als Spitzenqualifikation im Handwerk ausdrücklich anerkannt und unterstützt.“

Bei allem Lob, gut ist deshalb noch lange nicht alles. Thorsten Jeschke spricht den von der Politik festgelegten Bestandschutz für jene an, die sich in den zurückliegenden Jahren ohne Meisterbrief selbstständig gemacht haben. „Es wird nicht besser“, so Jeschke. Er wünscht sich Regelungen, wonach Handwerker bis zu einem Zeitpunkt einen Nachweis von bestimmten Befähigungen erbringen sollten, um ihren Bestandschutz behalten dürfen.

Auch für Horst Saevecke gibt es noch Baustellen: „Es darf nicht sein, dass jeder Geselle oder Gesellin die Meisterschule mit durchschnittlich über 6500 Euro selbst finanzieren muss, während jedes Studium weitestgehend kostenfrei ist.

VON NORMAN REUTER

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