Akademie startet / Probestunde für Johanna Groffmann

Die Meister geben den Takt vor

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Oldenstadt. Johanna Groffmann ist aufgeregt. Sie gibt es nicht zu, aber ihre Körpersprache verrät sie. Sie wippt von einem Fuß auf den anderen, schiebt die Haarsträhne nach hinten. Aufgeregt, klarer Fall.

Denn sie wird gleich eine Klavier-Stunde bei Hinrich Alpers bekommen, und der ist – in Musikerkreisen – nicht irgendwer. Wenn die Teilnehmer und Organisatoren der Sommerakademie über die Lehrer sprechen, die angereist sind, um jungen Musikern Meisterkurse zu geben, tun sie das mit bedeutsam hochgezogenen Augenbrauen. Und sie rezitieren die Meister-Schüler-Beziehungen der Pianisten wie einen verzweigten, erhabenen Stammbaum. Zum Beispiel: Arturo Benedetti Michelangeli war ein bedeutender Pianist seiner Zeit, einer, der Weltruhm hatte durch seinen Perfektionismus und etwas schrullige Auftritte. Er war Lehrer von Bernd Goetzke, ebenfalls ein gefeierter Pianist – und Lehrer vor Ort. Goetzke wiederum hat Hinrich Alpers unterrichtet, der künstlerischer Leiter der Sommerakademie ist.

Bei Alpers darf die 14-jährige Johanna aus Suderburg Unterricht haben. Er gibt ihr eine vorgezogene Stunde für die Jugendakademie. Im Saal übt sie vorher einige Stücke. Darunter ist eine Filmmusik aus der „Twilight“-Saga nach Büchern von Stephenie Meyer. Die Melodie, geschrieben von Alexandre Desplat, ist leicht zu spielen, sagt Johanna, die seit acht Jahren das Instrument lernt. Aber – wie so oft – ist das Simple umso schöner, wie dieses Stück, gespielt am Steinway-Flügel von der jungen Suderburgerin.

Für die Stunde mit Alpers hat sie einen Walzer von Edvard Grieg vorbereitet. Alpers sitzt im Zuschauerraum, schaut auf Johannas Hände, die Haltung, den Fuß am Pedal. Danach macht er einige Korrekturen: „Ein Walzer ist ein Tanz, du kannst ruhig schneller spielen. So, dass man auch tanzen könnte“, sagt er. Er korrigiert die Nutzung des Pedals, das die Töne hallen lässt. „Nimm es zum zweiten Schlag schon weg“, sagt er. Er macht es vor. Die Töne sind nun definierter, der Rhythmus kommt stärker heraus, die Musik wird tanzbarer. Mehrerer solcher Änderungen gibt er ihr vor. Nach fünf Minuten hört sich das Stück schon anders an.

Johanna ist noch jung mit ihren 14 Jahren. Aber sie ist auch „nur“ Teilnehmerin der Jugendakademie. „Die anderen sind bestimmt viel besser“, sagt sie. Das zu sagen, ist fast unanständig bescheiden, weil sie sehr, sehr schön spielt.

Die Älteren nehmen die Meisterstunden bei den Lehrern. Bis zum 19. August sind sie noch da und geben auch Konzerte. Sie üben bereits in den Räumen der Musikschule, einige haben bereits ihre ersten Stunden mit den Dozenten: Bernd Goetzke, Ewa Kupiec, Hinrich Alpers sowie der Norweger Einar Steen-Nøkleberg. „Nøkleberg! Nøkleberg is MISTER Grieg!“, betont etwa Sarah Soyeon Kim, die international schon Konzerte gibt, aus Südkorea stammt, sich aus unerfindlichen Gründen ungern von rechts fotografieren lässt und Grieg liebt – wie offenbar der Lehrer aus Norwegen, der, so sagt sie, eine Koryphäe sei, was den Komponisten Grieg angeht. Ihre eigenen Noten sind von Steen-Nøkleberg editiert.

Die kommenden Tage wohnt Sarah Soyeon in einem Raum mit drei anderen Teilnehmern. Eine kommt aus China, eine aus der Ukraine, eine dritte aus Polen. Andere Teilnehmer kommen auch aus Rumänien, Japan, Russland oder Deutschland. Man spricht englisch, in einem breiten Mischmasch von Akzenten. Sehr international, sagt Sarah Soyeon, sei die Atmoshäre. Die Akademie werde größer und sei sehr gut organisiert, findet sie. Sie sei schon bei vielen Akademien gewesen, aber „this one is the best!“

Möglicherweise wird auch Johanna Groffmann mal die Meisterkurse besuchen. Eigentlich ist ihr Hauptinstrument die Orgel. In der Suderburger Kirche steht ihr Übungsinstrument. Ob sie sich professionell der Musik verschreiben wird, weiß sie bisher noch nicht. „Ich habe ja noch Zeit, das zu entscheiden“, sagt die HEG-Schülerin.

Von Kai Hasse

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