Meine Woche in Berlin von Kirsten Lühmann (SPD)

Versöhnung ist möglich

In diesem Jahr gedenken wir des 100. Jahrestages des Kriegsbeginns des Ersten und des 75. Jahrestages des Beginnes des Zweiten Weltkrieges.

Diese beiden Weltkriege haben bis in die heutige Zeit große Auswirkungen auf unser gesellschaftliches und politisches Zusammenleben in einem endlich weitgehend geeinten Europa.

Besonders beeindruckt hat mich in diesem Zusammenhang die Veranstaltung am 2. August, die der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gemeinsam mit zwei französischen Partnervereinigungen über den Gräbern von Metz-Chambière durchgeführt hat. Gemeinsam standen dort französische und deutsche Soldaten genauso wie Zivilpersonen und gedachten der Opfer an den Gräbern von Soldaten beider Weltkriege sowie des Krieges von 1870/71 der verschiedensten Nationen. Mit großer Selbstverständlichkeit spielte dabei das Bundeswehrmusikkorps Siegburg auf dem Rathausplatz im französischen Metz. Aus „Erbfeinden“ wurden Partner und Freunde. Im geeinten Europa haben wir die Zeit, als Krieg noch als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln galt, überwunden.

In der letzten Woche hatte ich eine 75-köpfige Besuchergruppe von Jugendlichen, je zur Hälfte aus unserem Landkreis und der französischen Partnerregion stammend im Bundestag zu Gast. Diese jungen Leute sind längst einen Schritt weiter! Sie leben in einem vereinten Europa ohne echte Grenzen und nutzen in großer Zahl die EU-Studienprogramme, um das ganze oder zumindest Teile ihres Studiums oder ihrer Ausbildung im jeweiligen Nachbarland zu absolvieren. Daraus ergeben sich ein wechselseitiges Vertrauen und Verständnis einer glücklicherweise immer noch unterschiedlichen Kultur, neue berufliche Möglichkeiten und internationale Familiengründungen.

Am Montag, dem 75. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen, hat die Sonderdebatte im Deutschen Bundestag gezeigt, dass der Wert von Frieden in vielen Regionen der Welt noch nicht den Stellenwert hat wie im Europa der 28 EU-Mitgliedsstaaten. Hier können und müssen wir neben der schnellen Hilfe für die Zivilbevölkerung für das europäische Modell des partnerschaftlichen Umgangs auch in Konflikten werben.

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