Ignacio Duran hat auf seiner Weltreise in Masendorf Station eingelegt / Sein Ziel: In zehn Jahren will er Japan erreichen

„Meine Heimat ist überall“

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Ignacio Duran fährt mit dem Rad von Spanien nach Japan.

Uelzen-Masendorf. Er fühlt sich überall Zuhause – in Spanien, Chicago und Japan ebenso wie in Deutschland.

Ignacio Duran zieht es immer wieder in die Ferne: „Meine Heimat ist überall“, sagt der 53-jährige Dolmetscher, während er in der Küche von Cornelia Spangenberg in Masendorf vor einer Tasse Kaffee und einem Teller Butterkuchen sitzt und in einer Straßenkarte blättert. Vor 33 Jahren haben die beiden sich in Paris kennengelernt, wo die Uelzenerin zehn Jahre lang in einem deutschen Reisebüro arbeitete. Über ihre Nürnberger Mitbewohnerin kam 1979 der Kontakt zu Ignacio Duran zustande – und dann war er auch schon bald die Nummer Drei in der Wohngemeinschaft in Paris.

Er ist danach weiterhin durch die Welt gezogen, vier Jahre in Deutschland, vier Jahre in Japan, zuletzt hat er in Chicago gearbeitet. Seine Masendorfer Bekannte ist in die Heideregion zurückgekehrt. Das Großstadtleben habe sie sich auf Dauer nicht vorstellen können, sagt sie. Zum zweiten Mal ist Duran bei ihr zu Besuch, vor etwa 20 Jahren war er schon mal in Uelzen. Bis er das nächste Mal in der Lüneburger Heide vorbeischaut, wird es voraussichtlich wieder eine Weile dauern, denn der Übersetzer hat große Pläne, die bei der Familie von Cornelia Spangenberg ungläubiges Kopfschütteln auslösen.

Mit seinem Fahrrad ist Ignacio Duran auf Weltreise. „Zigzagging from Morocco to Japan“ ist sein Motto, im Zickzack will er von Marokko bis Japan Länder, Kulturen und Sprachen erkunden. Im vergangenen November ist der Radler in Spanien gestartet, und er lässt sich Zeit – sein Ziel: In zehn Jahren will er mit dem Fahrrad Japan erreichen – „und mit einem Haufen Schulden“, holt seine Masendorfer Freundin ihn auf den Boden zurück. Natürlich sei sein Projekt davon abhängig, dass seine Freunde sesshaft sind und ihm eine Übernachtungsmöglichkeit bieten, räumt er ein.

„Der Weg ist das Ziel“, erklärt der Mann, der in Puerto Rico, USA und Spanien aufgewachsen ist und fünf Sprachen spricht, und berichtet von seinen Plänen, während der Reise neue Kontakte zu knüpfen, Firmen für seine Arbeit als Dolmetscher zu akquirieren, die er via Internet auch von einem Campingplatz erledigen könne, und weitere Schüler für einen Sprach-Fernunterricht per Skype zu finden. Drei Schüler hat er bereits, in Chicago, Nürnberg und Südkorea. Der Unterricht über Skype ist mit ihnen genau terminiert, einmal wöchentlich. Auch während der Weltreise? Innerhalb der vergangenen acht Monate habe er nur zwei-, dreimal den Termin nicht einhalten können – eine der Absagen ging ausgerechnet aus Masendorf an seine Schüler, da die Internetverbindung nicht zustande gekommen ist, berichten die beiden Freunde.

Der Zickzack-Kurs ist nicht nur das Motto für seine Fahrrad-Reise. Der Mann mit den beiden Staatsangehörigkeiten für Spanien und die USA verfolgt auch ideologische Ziele, denen gegenüber seine Masendorfer Freundin kaum ihre Skepsis verhehlen kann. „Die Kraft des Zickzack“ will Ignacio Duran nutzen, „es ist nicht immer besser, den geraden Weg zu nehmen“.

Er fühlt sich als Anhänger der „Occupy“-Bewegung, die im Zuge der Finanzkrise in Großstädten gegen eine Vergrößerung der Schere zwischen Arm und Reich protestiert. Seiner Meinung über politische Systeme und gesellschaftliche Problematiken will er auf der Tour Ausdruck verleihen.

Der Weltenbummler hatte sich im Herbst als erste Etappe Marokko vorgenommen, in der Hoffnung darauf, dort der winterlichen Kälte zu entgehen – vergeblich, denn der vergangene Winter war in manchen Regionen Marokkos einer der ungemütlichsten seit Jahrzehnten.

Aber Duran nimmt das gelassen, drei Monate verbrachte er zwischen Marrakesch im Süden und dem Rif-Gebirge im Norden des Landes. Anschließend radelte er durch Spanien, Portugal und Frankreich nach Deutschland. Die nächsten Reise-Stationen auf dem Zickzack-Kurs liegen in Berlin, Nürnberg und München, über die Alpen fährt er nach Italien, von Norden gen Süden weiter nach Tunesien und von dort wieder von Süd- nach Norditalien zurück. Daraufhin soll es nach Polen gehen, so seine Pläne. Ein Jahr Griechenland, ein Jahr Türkei, Land und Leute will er kennenlernen.

Während er sich sein Brot mit Übersetzungen auch während der Reise verdient und bereits auf die Rente hin gearbeitet habe, wie er betont, hat er sich auch langfristige Ziele gesetzt – zwei „Mega-Projekte“. Ein Netzwerk für Sprachunterricht, an dem sich Menschen auf der ganzen Welt beteiligen, indem sie online gemeinsam Sprachbücher schreiben und somit auch Anlaufstationen auf ihren Reisen haben, will er initiieren. Und soziale Projekte möchte er entwickeln, die ärmeren Menschen eine Einnahmequelle bieten, beispielsweise die Eröffnung von Fahrradwerkstätten.

Seine Freunde, die über die ganze Welt verstreut sind, sind für ihn genauso wichtig wie seine Familie, sagt er. „Oder anders gesagt: meine Freunde sind auch meine Familie.“ Dass seine Verwandten in Spanien und in den USA ihn selten zu Gesicht bekommen, sei „business as usual“. „Man kann auch lernen, sich mit der Einsamkeit anzufreunden“, erklärt er. Heute befindet sich der 53-jährige Radler schon auf dem Weg nach Berlin.

Von Diane Baatani

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