„Mein Stalker lebt mein Leben!“ / Junge Mutter wird von 53-Jährigem verfolgt, bedroht und attackiert

Eine 24-jährige Uelzenerin wird seit Wochen von einem Stalker terrorisiert

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Eine junge Mutter aus Uelzen wird wie auf diesem Symbolfoto seit mehreren Wochen von einem 53-Jährigen verfolgt und bedroht. 

Uelzen – Eine zufällige Begegnung in der Kirche vor vier Wochen hat das Leben einer jungen Mutter aus Uelzen komplett auf den Kopf gestellt. Seit diesem Tag wird sie täglich von einem 53-Jährigen verfolgt, bedroht und attackiert.

Laura Winter (Name geändert) sitzt auf ihrer Couch und hört sich die Nachrichten auf ihrer Mailbox an. Alleine am Vortag waren es fünf Stück, die Andreas H. dort hinterlassen hat. Mal ist er freundlich und lädt sie zu sich nach Hause ein, mal brüllt er sie mit Worten wie „Du bist eine blöde Fotze“ oder „Ich nehme dir dein Kind weg“ an.

Die 24-Jährige reagiert nicht auf seine Kontaktversuche, die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Das Amtsgericht Uelzen hat vor über einer Woche eine einstweilige Verfügung gegen den polizeibekannten 53-Jährigen verhängt. Andreas H. darf sich der jungen Mutter und ihrem Sohn auf 50 Meter nicht mehr nähern, ihr nicht mehr schreiben oder sie anrufen. Dagegen verstößt der polizeibekannte Uelzener täglich und hemmungslos.

Die Belästigungen finden vergangenen Sonnabend ihren bedrohlichen Höhepunkt, als Laura Winter mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs ist. Andreas H. – ebenfalls auf dem Fahrrad – sieht und verfolgt sie. Sie ruft mit dem Handy die Polizei. „Als er mich eingeholt hatte, hat er mein Lenkrad festgehalten und mit seinem Fuß gegen mein Rad getreten, sodass ich absteigen musste“, berichtet Laura Winter. Andreas H. hält ihr Fahrrad fest und schiebt es einige Meter weg – da kommt die Polizei. Trotz Angst filmt die junge Mutter die ganze Szene mit dem Handy: „Sonst glaubt mir das ja keiner.“

Immer wieder fragt sie sich: „Warum ausgerechnet ich? Ich kenne diesen Mann gar nicht!“ Andreas H. sei eine Zufallsbekanntschaft aus der Kirche. Die junge Frau war mit einer Freundin dort, die ehrenamtlich Menschen hilft. „Er kam in die Kirche und sagte, dass er kein Geld habe und Hilfe bräuchte“, erinnert sich Laura Winter an die erste Begegnung.

Die Mutter von Andreas H. sei kurz zuvor gestorben und er habe zuhause viele Sachen gehabt, die er spenden wollte. Die beiden Frauen hätten kurzerhand beschlossen, ihm zu helfen und sortierten im Haus von Andreas H. ein paar Dinge. „Das haben wir einen Tag gemacht – dann haben wir es sofort bleiben lassen, weil wir gemerkt haben, dass mit dem etwas nicht stimmt“, sagt Laura Winter.

Doch seitdem vergeht kein Tag, in dem Andreas H. nicht versucht, sich in ihr Leben zu drängen. Rund ein Dutzend Strafanzeigen hat alleine Laura Winter gegen ihren Stalker gestellt: Hausfriedensbruch, Diebstahl, Belästigung, Beleidigung. Hinzu kommen die Anzeigen, die die Polizei gegen Andreas H. schreibt. Letzte Woche klaut er einem Obdachlosen zwei Euro aus dessen Bettelbecher und flüchtet mit den Worten „Schnapp’ mich doch!“ (AZ berichtete). „Herr H. ist bei uns kein Unbekannter“, bestätigt Kai Richter von der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen. Die Polizeibeamten hätten ihn in den vergangenen Wochen bei „diversen Einsätzen“ in Uelzen getroffen. „Wir haben eine Gefährderansprache durchgeführt“, erklärt der Polizei-Pressesprecher. Jetzt müsse man abwarten, ob die deutliche Ansage bei Andreas H. fruchtet.

Unterdes traut sich Laura Winter nicht mehr alleine vor die Haustür. „Ich kann nachts nicht mehr ruhig schlafen. Mein Stalker lebt derzeit mein Leben!“ Seit ihr Andreas H. eine Machete vor die Haustür gelegt hat, ist sie davon überzeugt, dass er zu allem fähig ist. Nicht nur, dass er Laura Winter gedroht hat, ihr den dreijährigen Sohn wegzunehmen: „Er hat schon gesagt, dass er mich umbringen will.“ Sie glaubt, dass Andreas H. an einer Psychose leidet, sich Sachen einbildet und unberechenbar ist.

An einem anderen Tag stand Andreas H. an der Terrassentür, als Laura Winter morgens die Rollläden hoch gelassen hat. Ein Video auf ihrem Handy zeigt die absurde Szene. Bis die Polizei eintraf, habe es 20 Minuten gedauert. „Er hatte noch Zeit, Sachen in meinem Garten aufzuräumen und Yogaübungen zu machen.“ Unterkriegen lassen will sich die junge Mutter aber nicht: „Ich muss für mein Kind stark sein!“

VON SANDRA HACKENBERG

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