Mehr als zwei Meinungen

Sänger Peter Cox (l.) sorgte mit seiner Stimme und seiner Bühnenpräsenz für den Druck hinter den Songs – und verpasste der Band einen anderen Charakter.Fotos (5): Wendlandt

Uelzen - Von Jürgen Köhler-Götze. Manfred Mann‘s Earth Band in der Jabelmannhalle: Zu diesem Konzert konnte es nicht nur eine Meinung geben. Das war für die rund 700 Zuschauer einerseits ein Gig zum Mitfeiern für alle, die erst in den Siebzigern zur Band gestoßen sind. Und das war für manchen, der Manfred Mann aus noch früheren Zeiten kennt, ein Grund zum Mäkeln.

Zwei der fünf Mitglieder der Band zählen zu den Gründungsmitgliedern, nämlich Manfred Mann selbst am Keyboard und Mick Rogers, Gitarre und Gesang, der schon 1971 dabei war und nach dem Ausstieg im Jahr 1975 erst 1983 wieder zur Earth Band stieß.

Doch auch, wenn die beiden noch oder wieder dabei sind, den Ton gibt ganz eindeutig Sänger Peter Cox an. Er vor allem prägt die Band, sorgt dafür, dass die Songs mehr Druck bekommen als früher – auch die alten Songs. Und genau das ist für einen Teil des Publikums ein Problem. Was ist aus den alten Songs geworden, so sie denn überhaupt gespielt wurden?

Man ist geneigt, vom Pink-Floyd-Effekt zu sprechen: Die ehemals sehr schlanken Songs sind angefettet worden. Das hängt nicht nur mit Peter Cox zusammen. Auch Schlagzeuger Jimmy Copley, der an diesem Abend richtig arbeiten musste, hat daran seinen Anteil, wenn er vor den Refrain von „Blinded By the Light“ noch ein paar wuchtige Schläge setzen muss, die früher nicht im Arrangement waren. Sollte ein Publikum heute etwa nicht von sich aus merken, von welcher Stelle an Mitsingen angesagt ist?

Bei „Father of Day, Father of Night“ klappt das ganz ohne Ankündigungsgewummer tadellos, genau wie bei „Davy‘s On The Road Again“. Das Publikum singt mit, die Stimmung ist gut, Band und Publikum stacheln sich gegenseitig an.

An „Shake Rock‘n Roll“ kann man ohnehin nicht viel kaputt machen. Mick Rogers spielt das Ding ganz ohne Drama runter und liefert zu „I Used to Love Her“ ein richtig schön bluesig- schleppendes Solo nach.

Er zerpflückt, ganz allein auf der Bühne, sehr gekonnt irgendeinen Rock-Klassiker mit seiner Gitarre, und es macht Spaß, das zu hören.

„Jetzt noch ‚Mighty Quinn‘ und gut is“, sagt einer, der von sich sagt, er sei Manfred Mann-Fan der ersten Stunde. Doch als er dann kommt, der Eskimo, da ist es ihm dann auch nicht recht: „Bombast“, knurrt erFotos (5): Wendlandt.

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