Darum engagieren sie sich...

Mehr Kirchenaustritte – auch im Landkreis Uelzen: Zwei aktive Christen berichten

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Engagement in der evangelischen Kirche: Franziska Tegt und Jan König, hier vor dem Altar der gotischen St.-Marien-Kirche in Uelzen. 

Uelzen/Landkreis – Die Zahl der Kirchenaustritte war im vergangenen Jahr deutschlandweit deutlich höher als im Jahr zuvor. 436.000 Menschen verließen die katholische oder die evangelische Kirche 2018, was einen Anstieg von fast 24 Prozent im Vergleich zu 2017 bedeutet.

Auch im Landkreis Uelzen nahmen die Austritte zu. So verließen 353 Menschen die katholische Kirche im Dekanat Lüneburg, zu der auch der Landkreis Uelzen zählt. 255 Menschen waren es 2017. Bei der evangelischen Kirche traten 471 Menschen im vergangenen Jahr im Landkreis Uelzen aus. 2017 waren es 427 Austritte. Die evangelische Kirche zählte für den Kirchenkreis Uelzen 53 065 Mitglieder (2017: 53.644), die katholische Kirche im Dekanat Lüneburg 21 982 (2017: 22.155).

Erfreulich ist allerdings, dass sich immerhin 2822 Menschen in den 27 Kirchengemeinden des Landkreises in der evangelischen Kirche engagieren – darunter übrigens 2047 Frauen. In Uelzen und Ebstorf zählen Jan König und Franziska Tegt dazu.

„Die Kirche ist für mich ein Teil der Identität unserer Gesellschaft, eine sehr wichtige Säule“, sagt König, der dem Kirchenvorstand der St.-Marien-Gemeinde angehört. Einmal im Monat bereitet der Uelzener einen Gottesdienst vor, verteilt die Gesangbücher, führt die Lesung am Pult aus und sammelt die Kollekte ein. „Kindergottesdienste, Kinderchor – das waren für mich immer wichtige Ankerpunkte. Gebe es die Kirche nicht, würde etwas fehlen“, so der 40-Jährige, der in einem Uelzener Familienunternehmen (Lagerung/Immobilien) und als Dozent der Leuphana Universität Lüneburg arbeitet.

König engagiert sich auch in einer Stiftung zum Erhalt der Gertrudenkapelle in Uelzen. „Es macht richtig Spaß in der Kirche“, so der Uelzener, der in seiner Freizeit auch Klavier spielt und sich für kreatives Schreiben begeistern lässt.

Franziska Tegt arbeitet ehrenamtlich in der evangelischen Jugend und kümmert sich dabei unter anderem um Jugendfreizeiten. So war die 24-Jährige vor Kurzem mit 36 Jugendlichen und elf weiteren Helfen für zwei Wochen an der italienischen Adriaküste.

„Die Gemeinschaft zu erleben, bekannte Leute wiederzutreffen und neue Leute kennenzulernen – das bedeutet für mich Kirche“, sagt die Ebstorferin, die in Flensburg Mathematik und Geschichte für das gymnasiale Lehramt studiert. „Das Gefühl, bei den Freizeiten mit den anderen etwas zu erleben, so lebe ich meinen Glauben.“

Tegt, die sich selbst nicht als streng gläubig bezeichnet, engagiert sich zudem als beratendes Mitglied im politischen Jugend-Parlament der evangelischen Kirche Uelzen (Jpek) und spielt Fußball beim VfL Böddenstedt. Ihre vorlesungsfreie Zeit verbringt sie oft im heimischen Ebstorf.

Und eine positive Zahl dann doch noch zum Schluss: 2018 gab es 122 Taufen im Dekanat Lüneburg der katholischen Kirche, und damit immerhin sieben mehr als im Jahr zuvor.

VON TIMO HÖLSCHER

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