Landestrend in Uelzen bestätigt: Dutzende Inobhutnahmen / Amt setzt auf Hilfe

Mehr Kinder in Gefahr

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Nicht jedes Kind lernt, die Hände der Eltern mit Vertrauen in Verbindung zu bringen. 

Uelzen/Landkreis. Alarmierende Zahlen auf dem ersten niedersächsischen Kinderschutzkongress am Montag in Hannover: Weil die Eltern nicht angemessen für ihr Wohl sorgen, werden 2015 landesweit 5700 Kinder durch die Jugendämter in Obhut genommen, kommen in Heime oder Pflegefamilien.

Auch in Uelzen steigen die Hinweise auf Kindeswohlgefährdungen.

Einen langfristigen Trend kann Jugendamtsleiterin Brigitte Lindenthal gestern zwar nicht mit Zahlen zu Inobhutnahmen untermauern, spricht aber von einem leichten Anstieg in Bezug auf ihre insgesamt 35 Jahre lange Tätigkeit als Leiterin und Mitarbeiterin im Jugendamt. 2015 seien bei der Behörde 125 Hinweise auf Kindeswohlgefährdung eingegangen und in 48 Fällen diese auch tatsächlich festgestellt worden. 2016 gab es 138 Hinweise und 37 tatsächliche Fälle von Gefährdungen.

Schläge, sexueller Missbrauch, das Schütteln von Babys, Vernachlässigung, Missachtung und Leistungsdruck – das Spektrum negativer Einflüsse durch Eltern auf Kinder ist riesig, die Phänomene ziehen sich durch alle Schichten. Und die Gesellschaft reagiert immer sensibler – auch dadurch steigt die Zahl der Hinweise auf Kindeswohlgefährdungen, die das Amt erreichen, so Lindenthal.

Die Jugendamtsleiterin betont den Hilfe-Charakter, den die Arbeit des Amtes hat: „Wir wollen die Kinder nicht, wollen keine Familien auseinanderreißen. Wir wollen, dass sich die Leute Hilfe holen und das Jugendamt nicht als Feind sehen.“

Die Leute, das sind oft Familien, die Hilfe brauchen. Weil es finanziell nicht läuft, weil Drogen- oder psychische Probleme bestehen, weil die Eltern kein stabiles Leben hinbekommen und sich das auf ihre Kinder auswirkt. Lindenthal ist davon überzeugt, in vielen Fällen helfen zu können. Und selbst wenn ein Kind aus seiner Familie genommen wird, muss das nicht das Ende sein. Mit den Eltern werde weiter gearbeitet, Kinder könnten später durchaus wieder in ihre Familien zurückkommen.

Familien, die Hilfe brauchen, bekommen diese vom Jugendamt des Landkreises Uelzen, Kontakt ist über die Zentrale unter (05 81) 8 20 möglich.

Von Steffen Kahl

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