Infoabend zur Gesundheitsgefährdung durch industrielle Mast in Bohlsen

Bakterien und Antibiotika

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Bohlsen. Die Besucherzahl sprengte fast die Kapazität der Kantine der Bohlsener Mühle, denn sehr viele waren der Einladung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Niedersachsen am Freitagabend gefolgt, um über die Gesundheitsgefährdung durch Agrarfabriken mit Massentierhaltung zu hören.

Der Anlass: Die geplante Erweiterung der 40 000-er Hähnchenmastanlage zwischen Holthusen und Bohlsen um weitere 126 000 Plätze (die AZ berichtete).

„Ich fühle eine Verpflichtung, wenn daraus Gefahren entstehen, dem nachzugehen“, sagte Gastgeber und Mühlen-Inhaber Volker Krause. Warum, so Krause weiter mit Blick auf seinen Betrieb, solle man gefährden, was man in über 30 Jahren aufgebaut hat? Und er brachte eine Ursache für die Situation sofort auf den Punkt: „96 Prozent der Menschen essen immer noch, was sie wollen und wundern sich dann, wenn passiert, worüber wir hier reden möchten.“

Eckehard Niemann von der AbL mahnte zu Beginn einen fairen Umgang miteinander an: „Es geht hier nicht gegen einzelne Bauern und auch nicht um Bio oder konventionell. Landwirte werden ja nicht bedroht von Bürgerinitiativen.“ Aber: „Wir wollen, dass Bauern ein vernünftiges Einkommen haben und nicht gezwungen sind, sich der Agrarindustrie in die Arme zu werfen.“

Über zweieinhalb Stunden lang blieben alle Redebeiträge und Informationsvorträge dann auch sachlich, waren sehr informativ und vor allem fundiert. Niemann beschrieb die Situation in der Hähnchenmast, die vier Monopole deutschlandweit unter sich aufteilen. Es sei „einer Kulturnation unwürdig, Tiere so zu halten“, sagte der Redner. In den 30 bis 40 Tagen ihres Lebens drängen sich 20 Masthühner auf einem Quadratmeter und hocken im Kot. Sechs Cent bekäme ein Landwirt für ein solches Tier, das wären über die Mastdurchgänge pro Jahr hochgerechnet 18 000 Euro.

Gastredner des Abends war Dr. Thomas Fein von der Bürgerinitiative Norden (www.BI-Norden.de). Er sei ein „ganz normaler Landarzt“, stellte sich Fein seinen Zuhörern vor. Was er danach anhand der von ihm mitverantworteten Studie erläuterte, musste zumindest bedenklich stimmen. Insgesamt 900 Tonnen Antibiotika werden jährlich in Deutschland an Tiere verfüttert, davon gehen 90 Prozent in die Mastbetriebe. Zum Vergleich: In der Humanmedizin sind es 360 Tonnen.

„Geflügelfleisch aus Massentierhaltung ist hochinfektiöses Material“, so Fein und er erläuterte die These anhand von Studien. Er sprach über Resistenzen und Keime und darüber, dass auch Antibiotika, die dem Menschen helfen sollten, bei diesen Tieren eingesetzt werden.

Für gesellschaftliche Veränderungen brauche es den engagierten Bürger, hatte Eckehard Niemann gesagt und aufgefordert zur Gründung einer Bürgerinitiative gegen die inflationäre Erweiterung von Ställen, nicht nur gegen den geplanten in Holthusen. In anderen Regionen seien die so manches Mal erfolgreich gewesen, versichert er. Es sei Zeit für ein Umdenken, sonst käme „eine bakteriologische Apokalypse“ auf die Menschen zu, so Dr. Fein.

Von Barbara Kaiser

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