Meldungen über verendete Tiere in Uelzen / Nabu: Sie verhungern

Massenweise tote Hummeln im Kreis

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Hummeln suchen im Sommer verzweifelt Nahrung: Ausgemergelt erreichen sie Silberlinden – aber das Futter dort reicht nicht.

nre Uelzen. Ebstorf, Gerdau, Uelzen, Soltendieck – immer das gleiche Bild in diesen Tagen: Hunderte Hummeln liegen verendet unter Linden. Einwohner haben sich besorgt an den Vorsitzenden des Uelzener Nabu-Kreisverbandes, Karl-Heinz Köhler, gewandt.

Ihre geäußerte Vermutung: Womöglich ist ein verspritztes Insektizid für das Massensterben der Tiere verantwortlich. Köhler gibt aber Entwarnung: „Die Hummeln verhungern schlichtweg“, sagt er.

Das Hummelsterben sei ein Phänomen, das jährlich im Hochsommer auftrete, erklärt der Tier- und Umweltexperte. Zwei bis vier Wochen nach der heimischen Winter- und Sommerlinde blühe die in Städten gerne gepflanzte Silberlinde, die vor allem in Vorderasien und Südosteuropa zu finden sei. In dieser Zeit sei das sonstige Nahrungsangebot für Hummeln äußerst gering. Bereits in einem geschwächten Zustand würden die Tiere die Silberlinden anfliegen, um sich zu stärken. „Anders als die Honigbienen legen sich Hummeln keine Vorräte an“, so Köhler. Den zahlreichen Tieren biete die Silberlinde aber nicht ausreichend Nahrung.

„Fehlende andere Futterquellen sowie innerartliche Konkurrenz führen schließlich zum Hungertod.“

Die Hummeln gelten neben den Bienen als wichtigstes Bestäubungsinsekt für Pflanzen. Die Tiere, die eine Länge von 8 bis 23 Millimeter erreichen können, gibt es in fast 250 verschiedenen Unterarten. Zwischen 30 und 40 davon sind in Mitteleuropa zu finden.

Das Massensterben der Hummeln im Hochsommer, so Köhler, sei letztlich auf eine Nahrungsknappheit zurückzuführen. „Blühende Wildpflanzen, meist als Unkraut diffamiert, könnten Versorgungslücken schließen“, so der Nabu-Kreisvorsitzende. Zum Überleben der Tierwelt würden möglichst viel ungenutzte Fläche oder eine schonende Bewirtschaftung benötigt. Über die EU wird ein Blühstreifen-Programm gefördert, das die Landwirte ermuntert, Teile der Äcker unbewirtschaftet zu lassen.

Von Norman Reuter

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