Marco – erste Knastszenen

Produzent Michael Souvignier (Mitte) mit Marco Weiss und seiner Mutter Martina Weiss auf Malta (undatiertes Handout). Vor den Mauern eines ehemaligen Gefängnisses auf Malta kehren für Marco Weiss dramatische Bilder einer langen Leidenszeit zurück.

dpa La Valetta/Uelzen. Unter brennender Mittelmeersonne vor den Mauern eines ehemaligen Gefängnisses auf Malta kehren für Marco Weiss (20) und seine Mutter Martina (52) dramatische Bilder einer langen Leidenszeit zurück. TV-Produzent Michael Souvignier lässt dort zurzeit für Sat.1 das Buch des Uelzeners „Marco W. - Meine 247 Tage im türkischen Knast“ verfilmen - mit Veronica Ferres, Herbert Knaup, Wladimir Burlakov und Luk Pfaff in den Hauptrollen. Marco und seine Mutter reisten zu den achttägigen Dreharbeiten auf die Mittelmeerinsel. „Es ist wichtig und gut, dass es diesen Film geben wird, weil es eine Rehabilitation für Marco ist“, sagt Martina Weiss.

Der Produzent der Firma Zeitsprung Entertainment brachte schon mit den Filmen „Contergan“ und „Böseckendorf - Die Nacht, in der ein Dorf verschwand“ viele Gemüter in Wallung. Die Geschichte des Uelzener Jugendlichen reizte Souvignier vor allem, weil sie sichtbar macht, wie leicht scheinbar harmlose Situationen unter Jugendlichen außer Kontrolle geraten können. „Ein ganz normaler Ferientag, der vorerst damit endet, dass ein 17-jähriger Schüler zu Drogenabhängigen und Mördern ins Gefängnis gesperrt wird. Das ist ein unvorstellbares Drama“, sagt der Filmproduzent. Er will den Film auch in die Kinos bringen.

Das reale Drama begann im April 2007 während eines Osterurlaubes an der türkischen Riviera. Marco war von der Mutter einer 13-jährigen Britin angezeigt worden, weil er ihre Tochter sexuell missbraucht haben soll und verschwand für acht Monate in türkischer Untersuchungshaft. Der Schüler hatte darauf beharrt, dass es im Hotelzimmer der 13-Jährigen nur im Einvernehmen mit dem Mädchen zu Zärtlichkeiten gekommen sei. Während der Fall in Deutschland eher wie ein missglückter Urlaubsflirt gesehen wurde, verurteilte ein türkisches Gericht den Jugendlichen im September 2009 wegen sexuellen Missbrauchs zu fast zweieinviertel Jahren Haft auf Bewährung. Da war Marco aber schon auf freiem Fuß in Deutschland.

Die Familie hatte eine Zeit voller Ängste, Anstrengungen und bangem Warten durchgemacht. Die stundenlangen Gespräche mit Souvignier und Drehbuchautor Johannes Betz hätten „so etwas wie eine therapeutische Wirkung“ gehabt, sagt Marcos Mutter jetzt auf Malta. „Es war das erste Mal, auch aufgrund der rechtlichen Situation, dass wir offen und ungeschminkt über alles sprechen konnten.“ Natürlich sei das alles für ihren Sohn ein traumatisches Erlebnis gewesen. Er sei nicht mehr so unbeschwert wie früher. „Er war ein sonniger und fröhlicher Jugendlicher, das ist er nun nicht mehr“, sagt sie. Die Familie hatte das Urteil nicht akzeptiert und Revision eingelegt. „Wir werden kämpfen bis zum letzten Atemzug und bis zum letzten Cent.“

Darüber, dass Veronica Ferres (44) ihre Rolle übernommen hat, freut sich Martina Weiss. Sie habe sie schon in einigen Filmen als kämpferische Mutter erlebt. „Ich traue ihr zu, diese emotionale Komponente gut rüberzubringen“, sagt sie. Die Regie für den Spielfilm „247 Tage“ hat Oliver Dommenget übernommen, der auch „Böseckendorf - Die Nacht, in der ein Dorf verschwand“ drehte. Ein Großteils des Films spielt im Gefängnis, er zeigt aber auch Lebensumstände und den Kampf der Familie. Die Innenaufnahmen werden in Buchholz in der Nordheide gefilmt. „Wir drehen bis Ende Juni, der Film wird dann 2011 zu sehen sein“, sagt Souvignier, der gemeinsam mit seiner Frau Ica und dem Hollywood-Star Uma Thurman auch die Filmrechte des Bestsellers „Der Schwarm“ von Frank Schätzing gekauft hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare