Mangel an Ernährung

Das Foto zeigt die Volksschule Lüder aus dem jahr 1947, mit ihrem Lehrer Moritz.

Lüder - Von Nadya Sevik und Sven Kamin. Jürgen Schulze schickte dieses Bild an die Redaktion und schrieb dazu: "Dieses Bild zeigt Schülerinnen und Schüler der Grundschule Lüder im Jahr 1947 und wurde uns von Inge Olfermann, geb. Schulze zugeschickt.

Die Grundschule Lüder besteht nunmehr seit 325 Jahren, die erste Erwähnung der Schule resultiert aus dem Jahre 1685. Dieses wird unter anderem zum Anlass genommen, ein Schulbild von kurz nach dem 2. Weltkrieg einzuschicken, wo noch fast alle Schüler namentlich ausgemacht werden konnten.Die Namen (hinterste Reihe v.l.): Christ. Reck, Elfriede Held, Helga Müller, Hilde Rodewald, Gudrun Held, Anneliese Lütke, Ruth Böhm, Heinz Koopmann, Robert Wittnebel, Gerhard Dreyer, ? (2. Reihe v.l.o.): Irmtraud Hillmer, Inge Schulze, Else Steinke, Gerda Jäger, Elli Ludorf, Sigrid Lubnow, Ilse Rönn, Dagobert Körtke, Günter Müller, Lothar Körtke, Helmut Schlodinsky, Hermann Schulz (3. Reihe v.l.o.): Else Jäger, Edith Domke, Hanna Meier, Erna Schröder, Ingetraut Fehlhaber, Lehrer Moritz, Helmut Schulz, Christian Stölzing, Landolf Ötzmann, Otto Klinger, ? (4. Reihe v.l.o.): Ursel Kupke, Elfriede Meyer, Lieselotte Boness, Elfriede Schulz, Waltraud Ludorf, Elfi Hübner, Ilse Hachmeister, Hans Wuttke, Heinz Below, Klaus Gornowicz, Engelbert Eilers, Reinhold Fischer.Chronikauschnitt aus dem Jahr 1947: Als Schulleiter amtierte der Flüchtlingslehrer Moritz aus Danzig stammend. Auf Antrag des Schulvorstandes war in Lüder eine dritte Schulstelle eingerichtet worden, die zum 15. Februar mit Lehrer Gerhard Heuer besetzt wurde. Mit Beginn des neuen Schuljahres werden 33 Kinder eingeschult. Die Kinderzahl ist auf 182 gestiegen und sie werden in 4 Klassen unterrichtet. Der Sommer ist ungewöhnlich heiß und trocken. Die Ernte war eine ausgesprochene Missernte. Die Ernährung wurde mit jedem Monat schlechter. Ende Juni war ein Teil der unteren Lehrerwohnung, die bisher noch von Flüchtlingen bewohnt war, frei geworden und von Lehrer Heuer mit Familie bezogen worden. Auch die obere 2. Lehrerwohnung wurde nach dem Auszug einer Hamburger Familie soweit frei, dass 2 Zimmer von Frl. Klinke mit Familie bezogen werden konnte. Weil aber die neue Wohnung nicht heizbar war – die Heizkörper der Zentralheizung waren schon früher entfernt worden – sollte in einem Zimmer ein Ofen gesetzt werden, denn der Winter stand vor der Tür.Spätere Leser der Chronik, so klagt der Chronist in seinen Eintragungen, werden es wahrscheinlich nicht verstehen, dass 2½ Jahre nach Beendigung des Krieges, es fast eine Unmöglichkeit war, einen einfachen kleinen Kachelofen zu erstellen.Es waren keine Kacheln, keine Roste, keine Tür – nicht einmal das Stückchen Ofenrohr zu bekommen. Frl. Klinke hat mit bewundernswerter Zähigkeit jedes Stück einzeln bei den Bauern erbettelt. In Wochen hat sie das wenige Material zusammen gebracht, sodass sie vor Weihnachten in die neu hergerichtete Wohnung einziehen konnte. Eben soviel Schwierigkeiten hatte sie bei der Beschaffung eines Herdes zu überwinden.Mit Beginn des Winterhalbjahres ging wieder die Sorge um die Heizung los. Auch im 3. Winter nach dem Kriege gab es nicht die geringste Zuteilung für private Haushalte an Kohle und Briketts. Dies betraf besonders die Haushalte der Vertriebenen, denn die Holzzuteilungen seitens der Gemeinde waren knapp bemessen.Zudem ist die Kleidung der Kinder sehr dürftig. Nur ganz wenige haben in 3 Jahren nach der Flucht ein paar Schuhe oder ein Kleidungsstück erhalten. Dabei hat ein großer Teil der Ostvertriebenen buchstäblich nur das gerettet, was sie auf dem Leibe hatten. Es hat sich in diesen Jahren kaum jemand auch nur ein Möbelstück oder Haushaltsgegenstand beschaffen können. Die Wohnverhältnisse sind nach wie vor menschenunwürdig. Die nötigsten Wasch- und Reinigungsmittel fehlen ebenfalls. In den letzten Monaten des Jahres 1947 gab es für 4 Wochen folgende Zuteilung: 10.000 gr. Brot, 200 gr. Fleisch, 150 gr. Fett, 62,5 g Käse, 1.000 gr. Nährmittel,500 gr. Fisch, selten Gemüse, kaum Obst, 3 Liter Magermilch monatlich. Kinder bis zu 6 Jahren erhielten täglich ½ Liter Vollmilch, von 6 – 14 Jahren ¼ Liter Vollmilch. Die Kartoffelzuteilung für die Zeit bis zur neuen Ernte betrug 2 Zentner pro Person. Der Gesundheitszustand der Kinder lässt zu wünschen übrig. Bei einer ärztlichen Untersuchung der Schulkinder im Januar 1948 wurden von 183 Kindern 86 als unterernährt, 60 als schlecht ernährt und nur 37 als ausreichend ernährt bezeichnet. Schulbücher sind in diesem Jahr nicht geliefert worden. Die Lieferung von Schreibheften ist unzureichend. Die Papierknappheit ist so groß, dass die Kinder nicht mehr "fliegende Blätter" für die notwendigen schriftlichen Arbeiten beschaffen können.Zu Weihnachten hatte die Militärregierung für jedes Kind 60 gr. Schokolade, 120 gr. Bonbon, 5 gr. Kakao, 15 gr. Trockenmilch und 8 gr. Zucker.

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