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Urteil wegen Körperverletzung, Diebstahls, Beleidigung

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Von: Theresa Brand

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Der 43-jährigen Angeklagte ist zur Zeit in der JVA Lüneburg inhaftiert. Für die Dauer des Prozesses nehmen ihm die Sicherheitsbeamten die Handschellen ab.
Der 43-Jährige muss sich auch vor dem Landgericht Lüneburg (Foto) verantworten. © Brand, Theresa

Neun Zeugen machen gestern am Uelzener Amtsgericht Aussagen zu den Straftaten, die einem 43-Jährigen zur Last gelegt werden. Es ist der zweite Prozesstag, an dem insgesamt elf Straftaten verhandelt werden.

Uelzen – Körperverletzung in sieben Fällen, Beleidigung und Diebstahl – wegen insgesamt elf Delikten musste sich ein 43-Jähriger vor dem Amtsgericht Uelzen verantworten. Gestern wurde das Urteil gegen ihn gesprochen. Für ein Jahr und neun Monate muss der Mann hinter Gitter. Er will dagegen Rechtsmittel einlegen. Parallel läuft ein Prozess gegen ihn am Landgericht Lüneburg (AZ berichtete).

„Durch die Vernehmung aller Zeugen zog sich die Aussage, dass man sich mit Ihnen besser nicht anlegt“, erklärt Richter Walter Graf Grote. Zwar sei der Angeklagte durch seinen starken Konsum von Alkohol und Betäubungsmitteln beeinflusst gewesen. Dies sei aber keine Rechtfertigung, immer wieder Straftaten zu begehen.

In seinem Plädoyer fordert der Vertreter der Staatsanwaltschaft zwei Jahre Freiheitsstrafe. Dabei verweist er auf einen „Riesen-Haufen Voreintragungen“, die der 43-Jährige bereits seit seiner Jugend angehäuft habe. „Sie haben immer wieder durchweg gezeigt, dass das Rechtssystem Sie nicht interessiert“, attestiert der Staatsanwalt dem Angeklagten.

Die Verteidigung betont, dass der Angeklagte massiv durch Drogen und Alkohol beeinflusst gewesen sei. Zudem sei in mehreren Fällen unklar, wer die Auseinandersetzung wirklich begonnen habe. Bewährung sei aufgrund der vielen Vergehen im Vorfeld keine Option, doch ein Jahr und sechs Monate seien ausreichend. Am Ende werden es ein Jahr und neun Monate.

In einem Fall soll der Angeklagte im September vergangenen Jahres am ZOB einen anderen geschlagen und zu Boden gebracht zu haben. Die Befragten, die sich alle regelmäßig auf dem Bahnhofsvorplatz aufhalten, geben an, dass beide Männer bewusst gegeneinander gekämpft hätten. „Die beiden haben sich nichts gegeben“, sagt einer der Zeugen. Eine Frau erzählt, der Angeklagte sei mehrfach vom Opfer provoziert worden: „Der andere hat ihn schon ordentlich gepiesackt“. Richter Graf Grote fasst am Ende die Aussagen zusammen: „Ich denke, der hat Sie so lange genervt, bis Sie ihm eine gepflastert haben.“

Ähnliches ergibt die Anhörung der Zeugen in einem weiteren Fall. Wieder muss sich der Angeklagte dafür verantworten, einem anderen mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihm dabei den Unterkiefer gebrochen zu haben. Laut Zeugenaussage habe der andere ihm vorgeworfen, seine Freundin belästigt zu haben; er habe den 43-Jährigen mehrmals am Arm gepackt und ihn zum kämpfen aufgefordert. Das Opfer sei stark alkoholisiert gewesen, habe anschließend nicht einmal gemerkt, dass der Kiefer gebrochen war. „Wir haben dann halt weitergetrunken, so etwa zwei Stunden“, heißt es.

Überraschend dann die Aussage in einem weiteren Fall. Hier soll der Angeklagte eine Frau geschubst haben. Daraufhin sei ihr Begleiter aggressiv gegenüber dem Mann geworden, der ihm als Reaktion darauf die Nase gebrochen habe. Nun zeigt sich: Ein Freund des Angeklagten, der nun im Zeugenstand sitzt, sei dazwischengegangen sein. „Haben Sie ihm die Nase gebrochen?“, fragt der Staatsanwalt und fügt hinzu, er müsse sich nicht selbst belasten. Das tue er in diesem Fall gerne, erwidert der Zeuge und sagt: „Wenn wir provoziert werden – na, da hab ich ihm eine geballert.“

Zu diesen Anklagepunkten kommen noch weitere. In einer Gartenlaube, die er zuvor aufgebrochen habe, habe er einige Zeit gewohnt, gibt der 43-Jährige zu. Er entschuldigt sich beim Besitzer, ebenso bei einer Frau, der er in einem Drogeriemarkt versucht hatte ins Gesicht zu spucken. Es folgen noch weitere Delikte. Der Angeklagte war zudem seit seiner Jugend immer wieder in Haft.

Der Staatsanwalt zieht am Ende den Schluss: „ Ich finde, man muss Sie wegsperren. Sie zeigen immer auf‘s Neue, dass Sie nicht straffrei leben können.“

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