Totengedenken des Bundes der Vertriebenen auf dem Friedhof in Uelzen

Mahnung für die Zukunft

„Die Erinnerung aufrecht halten, um eine Wiederholung zu verhindern“: Zur zentralen Totensonntag-Gedenkveranstaltung auf dem alten Uelzener Friedhof an der Lindenstraße kamen gestern etwa 20 Menschen zusammen. Fotos: Wendlandt

Uelzen/Landkreis. Überall im Kreis Uelzen wurde gestern in den Gottesdiensten der Verstorbenen gedacht. Die zentrale Veranstaltung zum Totensonntag fand am Mittag am Gedenkstein auf dem Friedhof an der Lindenstraße in Uelzen statt.

Ausgerichtet wurde sie vom Bund der Vertriebenen (BdV), Kreisgruppe Uelzen.

Zeichen der Anteilnahme: Vertreter des BdV legten einen Kranz am Gedenkstein nieder.

„Sie kamen als Vertriebene aus ihrer angestammten Heimat und fanden in Uelzen ihre letzte Ruhe“, steht auf dem verwitterten Stein eingraviert. Im Gedenken an Menschen, die im Krieg „durch Flucht aus ihrer Heimat das nackte Leben retten konnten“, zitierte Pastor Reinhard Klingbeil in seiner Ansprache einen, der es am eigenen Leib erfahren hat: Hans Graf von Lehndorff. Der Mediziner und Schriftsteller, der seine Erlebnisse als Assistenzarzt in seinem „Ostpreußischen Tagebuch“ 1960 veröffentlichte, hatte sich als evangelischer Christ im Widerstand gegen den Nationalsozialismus engagiert.

Nachdem Günter Albrecht und Helmut Kirsch einen Kranz niedergelegt hatten, fand auch Martin Oesterley tröstende Worte für die Menschen, die zum Gedenken zusammengekommen waren. „Die Erinnerung aufrecht halten, um eine Wiederholung zu verhindern“, mahnte er. Immer weniger Menschen kämen zum Gedenken, bedauerte BdV-Kreisverbandsvorsitzender Joachim Thadewald. Er war jedoch überrascht, dass es dennoch 20 Menschen waren, die der Kranzniederlegung beiwohnten.

„Selbst betroffen von Flucht und Vertreibung sind nur noch wenige. Ihre Kinder kommen, weil sie die Erinnerungen ihrer Eltern, den Schmerz und die Sehnsucht nach der Heimat, nicht ignorieren wollen.“ Daher konnte sich Thadewald nicht erklären, warum die Vertreter der Stadt Uelzen wie schon im vergangenen Jahr der Gedenkveranstaltung ferngeblieben waren. Hatte es mit dem Eklat zu tun, den die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, verursacht hatte, als sie im vorigen Jahr behauptete, dass Polen schon vor 1939 mobil gemacht habe? Das konnte Thadewald nicht bestätigen. „Mir hat niemand mitgeteilt, dass man der Einladung nicht folgen werde“, sagte er.

Das diesjährige Leitwort des BdV „Wahrheit und Dialog – Schlüssel zur Verständigung“ aufgreifend, betonte Thadewald, dass man die Wahrheit über die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges aufspüren müsse. „Wer die Wahrheit wissen will“, so seine Überzeugung, „soll in ausländischen Archiven nach einer Antwort suchen“.

Von Angelika Jansen

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