Ralph Götting von der Igelhilfe Amelinghausen rät, die Geräte nur tagsüber laufen zu lassen

Messer mörderisch scharf: Mähroboter bringen Igeln den Tod

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Die scharfen Klingen eines Mähroboters haben Nase und Mundpartie eines Igels abrasiert. Bei nahender Gefahr rollen sich die Tiere zusammen, wenn sie schauen, ob die Luft rein ist, rollt die Maschine über sie.

Amelinghausen. Die Fotos sind nichts für zarte Gemüter. Sie zeigen blutige Igelnasen, abrasierte Gesichtchen, tiefe Fleischwunden. Auch der neue Feind kommt auf Rädern wie das Auto, aber der Mähroboter surrt leise über den Rasen. Und wird dort zur tödlichen Falle. Davor warnt jetzt die Igelhilfe Amelinghausen. Die Messer sind mörderisch scharf.

Ralph Götting

„Der Igel kugelt sich bei Gefahr zusammen. Wenn er wieder aufmacht, ist die Maschine über ihm“, erklärt Ralph Götting von der Igelhilfe. „Die Messer sind mörderisch scharf.“ Sie treffen häufig gerade den Bereich der Nase, der für den Igel das wichtigste Sinnesorgan ist, um sich in seiner Umwelt zu bewegen, gibt Götting zu bedenken. Im vorigen Winter hat der Amelinghäuser 15 Jungigel über den Winter gebracht, die aufgrund ihres geringen Gewichts nicht überlebt hätten. Sie sind besonders gefährdet, weil sie durch die Öffnung der Mäher passen, betont Götting. Von den Sensoren der Roboter werden sie offenbar nicht wahrgenommen.

Zwar ist Götting kein konkreter Fall aus Amelinghausen und Umgebung bekannt, dennoch will er Gartenbesitzer für das Problem sensibilisieren. „Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv, und so könnte es helfen, den Mähroboter nur tagsüber laufen zu lassen“, rät der Igel-Experte. Über Nacht könnte das Gerät an der Ladestation stehen.

Allerdings sieht er die bequemen Gartenhelfer auch grundsätzlich kritisch, denn die Geräde halten den Rasen permanent kurz. „Er gibt keiner, aber auch gar keiner Blühpflanze mehr eine Chance, und somit gibt es auf solchen Rasenflächen auch keine Insektennahrung“, warnt Götting. Käfer, Spinnen und Schnecken seien aber die Nahrung der Igel. So nehme mit dem Insektensterben auch der Igelbestand ab. „Unsere Kinder“, glaubt Götting, „werden den Igel nur noch im Museum sehen.“

Gefährdet sind übrigens nicht nur Igel, Kröten und Jungvögel, sondern durchaus auch Kleinkinder. Laut einem Bericht der Stiftung Warentest vom April hielten zwar alle acht getesteten aktuellen Modelle vor Kinderbeinen, bei krabbelnden Kindern fuhren zwei Roboter jedoch in die Schuhattrappe.

Von Gerhard Sternitzke

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