Schamane, Scharlantan, Charmeur: Reinhard Schamuhn lädt seit 25 Jahren in den „Kreativen Speicher“ ein

Lust auf Kultur und Blödelei

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Reinhard Schamuhn und der Kreative Speicher an der Rosenmauer: Seit 25 Jahren ist das Fachwerkhaus eine Kulturstätte in Uelzen. Seit 15 Jahren befindet sich dort auch das Neue Schauspielhaus.

Uelzen. „Feste müssen gefeiert werden, wie sie fallen. “ Das sagt einer, für den der Satz mehr ist als nur eine alte Volksweisheit.

Einer, der sein ganzes Leben zu einem immer fortwährenden „Fest“ erklärt – stets gut gelaunt, stets mit einem schelmischen Lächeln im Gesicht und einer schrägen Aktion im Gepäck: Reinhard Schamuhn. Das neue Jahr beschert dem Schamanen, dem Scharlatan und Charmeur – so wird er immer wieder beschrieben – vielerlei Gründe für rauschende „Festchen“.

„2013 schlägt´s wahrlich 13“, sagt Schamuhn. Es müsste aber eigentlich heißen: schlägt´s 25. Denn Schamuhn kann auf ein Vierteljahrhundert „Jubel im Kreativen Speicher“ zurückblicken. 1987 erwirbt er für einen symbolischen Euro das alte Fachwerkgebäude an der Rosenmauer, das er mit Freunden beginnt, um- und auszubauen. Ein Jahr später eröffnet der Speicher, seitdem wird in ihm geschauspielert, musiziert und auch gefeiert. „Was hatten wir tolle Abende“, purzelt es aus dem Mund des Speicherbegründers heraus, er klatscht dabei in die Hände.

Aber das Speicherjubiläum, so erklärt Schamuhn, sei ja nicht das einzige große Ereignis in diesem Jahr – „Ich feiere ja noch silberne Hochzeit mit meiner eisernen Lady“. Aus einem großen Metallkoffer zieht er zwei Fotografien. „Aufnahmen von Braut und Bräutigam bei der Zeremonie“, meint Schamuhn. Zu sehen sind der Eiffelturm in Paris und Schamuhn, der in einiger Entfernung zur Stahlkonstruktion einen riesigen, mit Tüll und einem Hahn geschmückten Hut in die Höhe stemmt, sodass für den Betrachter der Eindruck entsteht, der Aktionskünstler setze dem Bauwerk den Hut auf. Die besondere Beziehung zwischen dem Bräutigam und dem 320 Meter hohen Koloss findet bereits 1971 ihren Anfang, als Schamuhn aus einem Zeitungsbericht erfährt, dass sich die Franzosen angeblich von dem Bauwerk trennen und den Stahl nach Amerika verkaufen wollten. Bevor das passiert, so sagte sich damals Schamuhn, erwerbe er lieber die eiserne Lady – ein Idee, die ganz zu dem damals noch in Hannover lebenden Schamuhn passt. Blödeleien gehören zu seinem Leben. Einst wollte er im Maschsee in Hannover ein Klavier versenken, um unter Wasser den Fischen das Forellenquintett vorzuspielen. Die Sache missglückte, weil das hölzerne Instrument nicht untergehen wollte. Die Sache mit dem Eiffelturm ging besser aus. Zwar kaufte Schamuhn den Koloss nicht, aber er bekam ihn geschenkt – für genau 66 Sekunden an jedem Tag. Da war die Hochzeit mit der eisernen Lady 1988 – „Wenn die alte Dame von Paris 100 Jahre alt wird, darf sie nicht allein sein“ – fast schon reine Formsache.

Von Norman Reuter

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