Ein Loser mit Chefallüren

+
Mal gibt er den Rabiaten, mal den Loser: Markus Maria Profitlich in der ausverkauften Jabelmannhalle.

Uelzen - Von Jürgen Köhler-Götze. Ausverkauftes Haus in der Jabelmannhalle, das ist Markus Maria Profitlich gewöhnt. Die Bühnenmaße hingegen nicht. Der Mann braucht Raum, nicht nur wegen seiner Körperfülle.

Eigens für seinen Auftritt wurde die Bühne – „die kleinste, auf der wir bei dieser Tournee gespielt haben“, wie sein Tourmanager erzählt – um ein gutes Stück vergrößert. Ein Teil der Kulisse passte dennoch nicht auf die Bühne und die Bühnenwege für Profitlich wurden eben ein wenig kürzer. Pech für ihn, der immer wieder selbstironisch seinen Körperumfang thematisiert. Längere Wege hätten geholfen, ein paar Kalorien mehr zu verbrennen.

Der Leibesumfang spielt schon bei Profitlichs Auftritt eine Rolle: Den gestaltet er kurzerhand als Abgang, nimmt den tosenden Applaus als Schlussapplaus, bedankt sich überschwänglich beim Publikum für den tollen Abend und verschwindet wieder in den Kulissen, weil er jetzt Hunger hat und deswegen das eben nur der Schlussapplaus sein konnte. Vor der Show, behauptet er, habe er nämlich niemals Hunger.

Es braucht schon alle Überredungskunst von Ehefrau Ingrid Einfeldt und Thomas Hackenberg, ihn wieder auf die Bühne zu bekommen, wo er – Running Gag des Abends – erst einmal seinen Keyboarder Andy Muhlack niedermacht. Der hat an diesem Abend einiges auszuhalten, nicht nur verbal, sondern auch körperlich. Profitlich nimmt nicht nur sich selbst auf die Schippe, auch die Super-Nanny (Einfeldt) muss dran glauben, wenn er den verfressenen Sohn eines alleinerziehenden Vaters (Hackenberg) spielt. Selbstverständlich endet diese Nummer mit Haue und die Heiterkeit im Publikum – lässt darauf schließen, dass vielen Zuschauern die Super-Nanny auf den Geist geht. Die nämlich trifft die gemeinsame Haue von Vater und Sohn.

Zuvor hat Profitlich schon das Handy einer Zuschauerin im Wasserglas versenkt und ihr ein Dosentelefon zur Verfügung gestellt, damit sie trotzdem angerufen werden kann, Hauptsache, die nervige Klingelei während der Vorstellung hört auf. Wie man mit dem Ding auch eine SMS verschicken kann, das muss man gesehen haben. Profitlichs Comedy lebt davon, dass er sich einerseits nur zu gerne als Depp präsentiert, etwa als Vermessungsgehilfe Sven, der hilft, die Trasse für die neue Autobahn zu vermessen, für die die Jabelmannhalle demnächst abgerissen werden muss. Bemerkenswertes Timing bei dieser Nummer. Die Antwort auf die Frage, ob er zu heiß gebadet worden sei, zögert er um mehr als 30 Sekunden hinaus – eine Ewigkeit auf der Bühne.

Seine Show lebt auch davon, dass er immer wieder rabiat den Chef rauskehrt – und ins Weinerliche verfällt, wenn das nicht so recht klappt. Kurzum, er gibt den Loser auf der Bühne. Genau das erwartet das Publikum von ihm und das ironisch bedauernde „Ooooh“, das dann aus dem Parkett schallt, kommt so präzise, als hätte Profitlich wochenlang mit diesem Publikum die Einsätze geprobt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare