Betriebsrätin: Problem hausgemacht

Bis September müssen Erixx-Fahrgäste mit Zugausfällen rechnen

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Auf den Erixx-Strecken Uelzen-Braunschweig und Bad Harzburg-Vienenburg fallen derzeit Zuverbindungen aus. Anfang September rechnet das Unternehmen wieder mit einer Verbesserung.

Uelzen. Täglich fallen noch Zugverbindungen beim Erixx aus. Bis Anfang September müssen Pendler und Fahrgäste weiter mit Ausfällen rechnen. Die Strecken Uelzen-Gifhorn, Gifhorn-Braunschweig und Bad Harzburg-Vienenburg sind betroffen.

Erixx begründet, wie berichtet, die Ausfälle mit Baustellen auf den Strecken, durch die zusätzliche Züge eingesetzt werden müssten und durch die es einen höheren Personalaufwand bei den Lokführern gebe. Zudem seien zwei Kollegen wegen eines Personenschadens nicht im Einsatz. Und: Es gebe weitere Krankheitsfälle sowie Betriebsunfälle. Der Versuch, den Personalmangel kurzfristig durch Leihlokführer aufzufangen, sei nicht gelungen, heißt es vom Eisenbahnunternehmen.

Für Iris Körner sind die Probleme hausgemacht. Sie sitzt im Betriebsrat des Unternehmens, baute die Arbeitnehmervertretung auch 2011 mit auf. Bei Erixx gebe es eine hohe Arbeitsbelastung, schildert die 44-Jährige gegenüber der AZ. Und diese sei eigentlich ursächlich für die Zugausfälle auf den Strecken. Denn durch Überstunden und zusätzliche Schichten würden Mitarbeiter bis an ihre Grenzen und darüber hinaus gehen. Die Folge: Krankschreibungen und Betriebsunfälle. Hier sei der Arbeitgeber in der Pflicht, die Mitarbeiter treffe keine Schuld.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) unterstreicht Körners Aussagen und sieht nur eine Chance: Es müssten tarifliche Regelungen getroffen werden, um eine Überbelastung der Lokomotivführer zu unterbinden, sagt Hartmut Petersen, Vorsitzender des GDL-Bezirks Nord. Denn längst habe sich herumgesprochen, was einem blühe, wenn man den Beruf des Lokomotivführers ergreife, sodass es bereits einen bundesweiten Mangel gebe. Das verschärfe die Situation. „Wir müssen den Beruf wieder attraktiv machen“, so Petersen.

Zudem seien auch die Länder gefordert, erklärt der Gewerkschafter. Subventioniert wird der Schienenverkehr über die öffentlichen Regionalisierungsmittel. Sie würden den Eisenbahnunternehmen teilweise verwehrt oder per Strafzahlung wieder zurückgefordert, wenn vertraglich vereinbarte Leistungen nicht erfüllt würden – wie jetzt im Fall von Erixx. Die Unternehmen ihrerseits würden auf eine Wirtschaftlichkeit achten, sodass an Personal gespart werde. Das Finanzierungs- und Vergabemodell sei zu überprüfen, sonst fördere es noch die Überlastung von Mitarbeitern.

Erixx erklärt, dass Krankenstände sich in einem „üblichen Maß“ bewegen würden. Einen generellen Mangel an Lokführern gebe es nicht. Zwei Vakanzen sollen im Herbst besetzt werden. Das Unternehmen bilde selbst auch Triebfahrzeugführer aus. In der aktuellen Situation mit mehr Personalaufwand und Krankheitsfällen sei es eben nur nicht gelungen, Leihlokomotivführer zu finden. Petersen gibt zu bedenken, dass Baustellen mit einem großen Vorlauf bekannt gegeben würden. Es bleibe genügend Zeit für Unternehmen, sich darauf einzustellen, wenn nicht schon ohnehin der Personaleinsatz auf Kante genäht sei.

Von Norman Reuter

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