Keine Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs möglich

Sexuelle Handlungen bei Live-Chat mit Elfjähriger aus Uelzen – Familienvater (55) gibt Taten zu

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Ein junges Mädchen wurde durch Internetchats mit einem 55-Jährigen traumatisiert.

Uelzen – Was sucht ein 55 Jahre alter Mann in einem Internetchat, in dem sich ausschließlich Kinder tummeln? Diese Frage stellte die Staatsanwältin dem Angeklagten am Amtsgericht Uelzen.

Der verheiratete Vater von drei erwachsenen Kindern hat einem elf Jahre alten Mädchen aus Uelzen Live-Videos von sich geschickt, in denen er sexuelle Handlungen an sich vornimmt.

Nachdem das Mädchen auf besagter Chatplattform ein Video von sich veröffentlicht hatte, in dem es in seinem Kinderzimmer zu sehen war, hat der 55-Jährige sie angeschrieben. Das berichtet die Elfjährige: „Er hat mich immer gefragt, ob ich alleine zuhause bin.“ Schließlich kontaktierte er das Mädchen per Live-Chat und nahm sexuelle Handlungen an sich vor.

Auch wenn der Angeklagte die Tat zugab, flüchtete er sich in Ausreden. Zu diesem Zeitpunkt habe er vermutet, dass das Opfer bereits 18 ist – für den Beobachter nur schwer vorstellbar, wenn er die schmächtige, kindlich wirkende Elfjährige im Zeugenstand sitzen sieht.

Obwohl der Mann die Tat gestanden hat, kann ihn das Gericht nicht wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes verurteilen. „Man muss zugunsten des Angeklagten davon ausgehen, dass sie ihm nicht gesagt hat, dass sie elf ist. Aber er hätte davon ausgehen müssen“, führte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer aus. Am Ende blieb eine Verurteilung wegen der Verbreitung von pornografischen Schriften und eine Geldstrafe von 3600 Euro – für die Eltern des Mädchens nur schwer zu ertragen.

VON SANDRA HACKENBERG

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