Live-Bilder aus der Tiefe

Stephan Wellner, Mitarbeiter der Rohrsanierungsfirma aus Herne, lässt den Roboter in den Kanalschacht hinab. Foto: Ph. Schulze

Uelzen. Sie sind teilweise bis zu 60 Jahre alt und haben ihren Zenit längst überschritten: Viele Schmutz- und Regenwasserkanäle im Sternviertel sind dringend reparaturbedürftig. Daher lässt die Stadtentwässerung Uelzen sie derzeit mit moderner Technik sanieren. In einem ersten Bauabschnitt zwischen Hagenskamp und „An den zehn Eichen“ kommt das Roboter-Verfahren zum Einsatz. Auf diese Weise wurden im vorigen Jahr bereits schadhafte Kanäle in Veerßen und im Wohngebiet am Königsberg erfolgreich saniert (AZ berichtete).

Dabei fräst ein etwa ein Meter langer Roboter, der per elektrischem Seilzug in die Tiefe befördert wird, zunächst Risse in den Kanälen weg. Danach verspachtelt ein anderer Roboter die Fugen mit Schalungsharz und dichtet damit die Lecks ab. Die präzise Ausführung der Arbeiten überwacht ein Mitarbeiter einer Rohrsanierungsfirma aus Herne (Nordrhein-Westfalen) an einem Monitor. Die Live-Bilder aus der Tiefe liefert eine kleine Kamera, die vorn auf den Robotern befestigt ist.

Den schadhaften Stellen ist die Stadtentwässerung bereits im vergangenen Jahr mit Hilfe einer TV-Kamera auf die Spur gekommen. „Insgesamt wurden etwa 35 Kilometer Kanalnetz im gesamten Sterngebiet befahren“, berichtet Dietmar Kahrs, technischer Werksleiter der Stadtentwässerung. Dabei seien vielerlei Schäden festgestellt worden: undichte Stellen, Wurzel-Einwüchse, Risse, Scherbenbildung, aber auch Absackungen von Rohren im Bereich der Muffen.

Deshalb hat die Stadtentwässerung einen Auftrag über rund 250 000 Euro an die Herner Fachfirma vergeben. „Die Arbeiten erfolgen zwischen 6 und 22 Uhr durch ein Zwei-Schicht-System. Es kann bei ungünstiger Lage der Schachteinstiege vereinzelt zu Behinderungen im Straßenverkehr kommen“, erklärt Kahrs.

Einige Schäden könnten aus wirtschaftlichen Gründen mit der Roboter-Technik aber nicht behoben werden, sagt er. Deshalb bereitet die Stadtentwässerung derzeit eine Ausschreibung für ein sogenanntes Inliner-Verfahren vor. Dabei wird von Schacht zu Schacht im vorhandenen Rohrsystem ein zweites Rohr eingezogen, beispielsweise durch einen aushärtenden Gewebeschlauch. Dieser übernimmt dann als dichtes Rohr die Funktion der alten schadhaften Rohrleitung, ohne dass die Straßenoberfläche aufgerissen werden muss. „Denn weiterhin soll weder Fremdwasser in das öffentliche Kanalnetz eindringen noch soll Abwasser über defekte Rohrleitungen in den Untergund versickern und das Grundwasser verunreinigen“, betont Kahrs. Diese Arbeiten beginnen voraussichtlich im Spätsommer oder Herbst.

Von Bernd Schossadowski

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