Leuchtende Töne, sprühende Affekte

Friedrich Kircheis an der Orgel und Ludwig Güttler auf der Trompete, hier mit Kantor Wolfgang Hofmann, spielten in Höchstform.

Ebstorf. Die Kombination von Trompete und Orgel ist Garant für gut besuchte Konzerte. Wenn dann auch noch das Weltklasse-Duo Ludwig Güttler/Friedrich Kircheis kommt, sind die Kirchenbänke voll. So auch am Sonnabend in der Klosterkirche Ebstorf. Das vor allem barockgeprägte Programm bot Höhepunkte wie eine Händel-Suite oder ein Telemann-Konzert – mit vertrauten Sätzen. Die stilreiche Barockmusik bildet in einem System von Affekten und Sprache eine gemeinsame Grundlage musikalischen Ausdrucks.

Güttler und Kircheis bereicherten und beglückten die Zuhörer mit ihrem Spiel und der ausgewählten Literatur, mit elastischem, tänzerischem Duktus, Lust am Verspielten, genüsslichem Ausformulieren. Das wurde spürbar. Längst nicht zur Routine erstarrt oder in Selbstgefälligkeit in der Instrumentalkunst gefangen, schwebten Töne, perlten Läufe, leuchteten Spitzentöne, tupften tiefe Pedaltöne, sprühten Affekte.

Schon bald brandete Beifall auf und Maestro Güttler ließ sein Instrument sinken, wand sich dem Publikum zu und erläuterte die dramaturgische, zusammenhängende, absichtsvolle Programmstruktur mit festlicher Musik zu Beginn, die immer zurückhaltender und inniglicher wird und dann wieder in festlicher Musik mündet. Daher seine Bitte, die gesammelte Beifallskollekte erst am Schluss zu spenden. „Einverstanden?“, fragte er. Und? Welch Witz – das Publikum applaudierte.

Kircheis hatte im Programm natürlich seine Orgel-Solostücke, darunter auch Johann Sebastian Bachs Triosonate Es-Dur, die vielfach in Bearbeitung mit anderen Instrumenten zu hören ist. Bach hat sie im Hinblick auf die zierlichen Hände seines älteren Sohnes geschrieben. Kircheis spielte sehr farbig, transparent und lebendig.

Als solider, sensibler Partner weiß er Güttlers virtuosen Höhenflüge und ungemein feinfühligen Passagen zu begleiten. Traumhaft schön, einem musikalischen Credo gleich erklang, erfüllte da „Herzlich lieb hab‘ ich dich o Herr“, vom Bachschüler Johann Ludwig Krebs komponiert, den Kirchenraum. Hörgenuss pur! Kein Wunder also der Schluss: „Zugabe, Zugabe, Zugabe…“

Von Ute Bautsch-Ludolfs

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