Ein Herz für die Kleinkunst und die Blödelei: Schauspielhaus-Leiter stirbt im Alter von 73 Jahren

Letzter Vorhang für Schamuhn

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Er heiratete den Eiffelturm, spielte für die Fische im Maschsee in Hannover unter Wasser das Forellenquintett und hatte immer einen flotten Spruch auf den Lippen: Reinhard Schamuhn starb in der Nacht zu gestern im Alter von 73 Jahren.

Uelzen. Er wolle in jedem Fall Johannes Heesters in Sachen Bühnenkarriere Konkurrenz machen, und der sei bekanntlich 108 Jahre alt geworden, hat Reinhard Schamuhn in diesem Frühjahr anlässlich des 25-jährigen Jubiläums seines Kreativen Speichers gesagt, wie gewohnt mit einem schelmischen Lächeln im Gesicht.

Und er fügte an: „Ich bin ein Schamane, ein Überlebenskünstler. Aus“. Reinhard Schamuhn war ein so langes Bühnenleben nicht vergönnt. Er starb in der Nacht zu gestern im Alter von 73 Jahren.

„Er war für mich die Wiedergeburt des Uhlenköpers, der den Uelzenern Eulen verkauft hat, und die haben sie gerne genommen“, sagt der Künstler Georg Lipinsky betroffen, ein Weggefährte, der auch Schamuhns frühere Aktionen in Hannover verfolgt hat. „Er war so etwas wie ein Motor, der viele Dinge anbot und machte und sich selber nie ernst genommen hat, sich nie gescheut hat, ins Fettnäpfchen zu treten und zu provozieren – ein ,Uhlenspiegel’.“

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Ein Platz für Schamuhn

Schamuhns Mitarbeiter Jens Kunze berichtet, dass der 73-Jährige in den vergangenen Tagen stark unter gesundheitlichen Problemen gelitten habe. Gestern hat Kunze begonnen, die anstehenden Veranstaltungen abzusagen. Für Anfang August war eine Feier anlässlich des Jubiläums organisiert. Schamuhn habe dafür 500 Einladungen verschickt – ein Datum jedoch noch nicht festgelegt. „Es ist eine große Katastrophe, weil er noch so viel vorhatte“, erklärt Kunze.

„Menschen wie Reinhard gibt es wenige auf der Welt“, teilen Benny Hiller und Monella Caspar aus Berlin mit, die oft als „Schwarzblond“ im Schauspielhaus auftreten. Sie schätzen besonders „seinen Mut, seine Großzügigkeit, seine Warmherzigkeit, seine verrückten Ideen, an denen er gern alle Menschen in seinem Umfeld teilhaben ließ“. Eine dieser Ideen war die Kultur-Hoch-Zeit 2009 mit Monella Caspar: „Als ich diesen wunderbar verrückten ,Schamanen’ näher kennengelernt habe und er mir einen Heiratsantrag machte, habe ich keine Sekunde gezögert. Dieser Mann war eine absolute Bereicherung für mein Leben... für Uelzen... für die Welt.“

Auch Kulturmanagerin Birte Ebermann bedauert den Verlust. „Ich habe ihn sehr geschätzt, weil er so unverbrauchte Kunst, an jeder Konvention vorbei, gemacht hat“, erklärt sie. „Kleinkunst und Aktionskunst wusste man bei ihm in guten Händen und konnte sich dem klassischen Theater verschreiben.“ Das bestätigt der Erste Stadtrat Jürgen Markwardt: „Reinhard Schamuhn war alles andere als bequem, aber gerade das zeichnete ihn aus“, berichtet er. „Mit seiner Person, seinem Schauspielhaus und seinen öffentlichen Aktionen hat er die Stadt belebt und auch herausgefordert – jede seiner außergewöhnlichen Unternehmungen war ein Unikat, das Uelzen eine ganz besondere Note verliehen hat.“

Wann immer der Narr von Gottes Gnaden, so wurde Schamuhn in Presseberichten immer wieder genannt, eine seiner Aktionen plante, war der Schauspieler und Autor Georg Menro nicht weit. Er verfasste über die Abenteuer des kreativen Kopfs ein Buch mit dem Titel „Das verrückte Huhn“. Menro würdigte gestern Schamuhn nicht nur als Kulturschaffenden, sondern auch als Freund: „So ein genialer Typ, so ein guter Freund; ich habe in meinem Leben keinen Menschen mit einem größeren Herzen kennengelernt. Er war einfach nicht von dieser Welt.“

Von Norman Reuter und Diane Baatani

Fotos vom Leben des Reinhard Schamuhn (†)

Das Leben des Reinhard Schamuhn (†)

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