Von Woche zu Woche

Und den letzten beißen die...

Es ist eine Konstellation, die auf den ersten Blick fassungslos macht: Da stopft der Landkreis Uelzen 44 junge Asylbewerber und Flüchtlinge verschiedener Nationalitäten und Konfessionen in eine Villa in Bad Bevensen und wundert sich, wenn diese sich aus Langeweile irgendwann die Köpfe einschlagen, Straftaten begehen und für Unmut in der Nachbarschaft sorgen.

Doch wenn man genauer hinschaut, dann zeigt sich schnell: Der Landkreis ist das letzte Glied in einer Behördenkette, die angesichts der explodierenden Flüchtlingszahlen zusehends überfordert ist – und der Kreis kann nur noch mehr schlecht als recht versuchen, die Flut der Neuankömmlinge irgendwie in geordnete Bahnen zu lenken.

Man kann es auch anders sagen: Die Landkreise, die letztlich für Quartiere sorgen müssen und die Anlaufstelle für die Flüchtlinge im Alltag sind, werden bei dieser organisatorischen Mammutaufgabe weitgehend im Stich gelassen.

Denn eigentlich steht Deutschland ja dafür, dass hier alles geregelt ist, dass es klare bürokratische Regeln gibt. Doch bei den Flüchtlingen ist offenbar jedes Ordnungsprinzip außer Kraft gesetzt. In der Aufnahmestelle in Braunschweig stellt man nur noch irgendwelche Bescheinigungen aus, nicht einmal ein Passfoto ist darauf. So sind dem Missbrauch zwangsläufig Tür und Tor geöffnet. Woher soll der Sicherheitsdienst in der Bad Bevenser Gemeinschaftsunterkunft wissen, wer vor ihm steht, ob der Betreffende wirklich dort wohnt? Einem fleißigen Austausch der Papiere steht man machtlos gegenüber.

Dazu kommt, dass der Landkreis auch nach Monaten nicht weiß, welcher Nationalität die jungen Männer wirklich sind, die in der Unterkunft mit dem schönen Namen „Villa im Park“ wohnen. Eine vernünftige Registrierung bei der ersten Anlaufstelle, also im Aufnahmelager Braunschweig, wäre das A und O. Doch sie erfolgt nicht, mit fatalen Folgen vor Ort.

Nicht viel besser sieht es bei der Finanzierung der Flüchtlingsbeherbergung aus. Den Landkreis Uelzen kostet das Millionen und selbst der relativ kleine Anteil, der vom Land kommt, wird erst mit zwei Jahren Verzögerung ausgezahlt.

Für den Kreis ist auch das fatal: Denn in seinem Haushalt klafft ein noch größeres Millionenloch – weil das Land sich Zeit lässt mit der Überweisung. Das wiederum hat zur Folge, dass die Verschuldung des Kreises vorübergehend höher erscheint. Deshalb droht Ärger mit der Aufsichtsbehörde – und die ist ausgerechnet jenes Land Niedersachsen...

Nein, die Bewältigung der Flüchtlingsthematik ist kein Ruhmesblatt für unser Land, in dem doch angeblich alles seine Ordnung haben muss.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © Koller, Steffen

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