Letzte Zuflucht Bohldamm

Asylantenwohnheim am Bohldamm: In einen ungenutzten Teil zieht die Obdachlosenunterkunft zum Jahreswechsel ein.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. 125 Jahre war das Wichernhaus die letzte Zuflucht für Menschen, die sonst auf der Straße schlafen müssten. Jetzt ist das Aus für die Einrichtung an der Niendorfer Straße endgültig besiegelt: Um obdachlose durchreisende Frauen und Männer soll sich stattdessen ab 1. Januar 2011 das Projekt „Integration durch Arbeit“ (IDA) kümmern. Und zwar in stadteigenen Räumen am Bohldamm. Die Stadt verspricht sich davon jährliche Einsparungen von rund 30 000 Euro.

Der Standard im Wichernhaus sei gut gewesen, betonte Dezernent Herbert Blödorn gestern bei einem Pressetermin im Rathaus. Aber es sei nicht möglich gewesen, einen Konsens für eine zukünftige Zusammenarbeit mit dem Trägerverein der Einrichtung zu finden. Daraus habe man die Konsequenz gezogen.

Acht Plätze für obdachlose Durchreisende gibt es im Wichernhaus – zu viel, befindet die Stadt: „In den letzten Jahren waren höchstens zwei Betten pro Nacht belegt“, schildert Blödorn. Die Zahl der Übernachtungen von früher über 1000 habe sich halbiert. Dazu komme, dass obdachlose Frauen nicht im Wichernhaus übernachten konnten: „Sie mussten wir ins Böh schicken und das ist diskriminierend“, sagt der Dezernent. Im städtischen Quartier am Bohldamm gibt es künftig zwei Zimmer mit je zwei Betten, jeder Raum kann je nach Bedarf für Männer oder Frauen genutzt werden. Sie befinden sich in einem Teil des Asylantenwohnheims, der nicht mehr genutzt und derzeit umgebaut wird. Eine Aufsichtsperson für die ganze Nacht soll es künftig nicht mehr geben, stattdessen werden Mitarbeiter der IDA am Abend und am Morgen präsent sein. Derzeit werden die Räume für rund 30 000 Euro umgebaut, im Jahr soll die Unterhaltung der Unterkunft dann rund 20 000 Euro kosten, während für das Wichernhaus 50 000 Euro jährlich an Zuschüssen fällig waren.

Die IDA ist verantwortlich für die Räumlichkeiten, dafür darf sie zwei weitere Zimmer mit je einem Bett in dem Wohnheim nutzen. „Wir wollen dort je nach Bedarf Produktionsschüler von uns unterbringen“, sagt IDA-Chef Gerard Minaard. Man suche immer wieder Quartiere für die jungen Arbeitslosen, die ein bis zwei Jahre bei IDA lernen – da kam das Angebot der Stadt gerade recht.

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