Seit Jahrzehnten gehört das Nachtlokal zu Uelzen – jetzt soll Schluss sein

Letzte Order in der Uelzener „Oase“

Michael und Denise Böhm sind die Eigentümer des Gebäudes, in dem sich bisher die „Oase“ befindet. Der 53-jährige Uelzener stellt sich vor, dass ein Mieter aus den Räumen ein Restaurant macht. FOTOs: REUTER
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Michael und Denise Böhm sind die Eigentümer des Gebäudes, in dem sich bisher die „Oase“ befindet. Der 53-jährige Uelzener stellt sich vor, dass ein Mieter aus den Räumen ein Restaurant macht.

Uelzen – Das Gebäude an der B 71 fällt auf. Es besitzt Türme und Zinnen wie eine Burg. Aber nicht nur seine Optik sticht heraus: Seit mehr als sechs Jahrzehnten steht die Oase für Travestie, Cabaret – und die käufliche Liebe in Uelzen.

Aber die Tage des Bordells mit seiner langen Geschichte sind nun wohl gezählt.

Türme und Zinnen im orientalischen Stil prägen die Fassade an der B 71 im Südosten Uelzens.

Gebäude-Eigentümer Michael Böhm hat zum Ende des Monats der Pächterin, die das Freudenhaus im Südosten der Stadt zuletzt betrieb, den Mietvertrag gekündigt. Böhm nennt als Grund „offene Mietforderungen“, auf die er reagiert habe. Die Corona-Krise habe ihren Beitrag dazu geleistet, dass es so weit gekommen sei. Der Betrieb ruht wegen des Infektionsschutzes bereits seit Mitte März.

Drei Zimmer mit Betten gab es.

Bedingung für eine Wiedereröffnung als Bordell wäre, so sagt Michael Böhm, „ein seriöser Pächter“. Doch er glaubt nicht, einen solchen für die Oase finden zu können. Der 53-Jährige stellt sich deshalb vor, dass an der B 71 ein Restaurant entsteht. „Die Räume geben das her“, sagt Böhm.

Von einem größeren Schankraum mit Sitzecken und Tresen führen Türen in Separees. Drei Räume sind aktuell noch mit Betten ausgestattet. Wie Böhm erklärt, seien diese Räume von selbstständigen Prostituierten für eine oder eine halbe Stunde von der Betreiberin gemietet worden, um dort Zeit mit Kunden zu verbringen.

Von Stadt- und Landkreisverwaltung ist zu erfahren, dass den Behörden außer der Oase in Uelzen nur noch sogenannte „Wohnungsprostitution“ bekannt ist. Das heißt, dass sich die Prostituierten – in der Regel für eine Woche – in eine Wohnung einmieten und dann dort leben und arbeiten. Fünf Adressen mit insgesamt zwölf Wohnungen sind aktenkundig.

Als die Oase 1952 ihre Türen erstmals öffnete, standen laut Michael Böhm die sexuellen Dienstleistungen noch nicht so im Vordergrund. Er weiß von Cabaret-Darbietungen zu berichten, von lebenden Krokodilen, Affen und Papageien, die es dort gegeben habe. Das Ehepaar Alfred und Jutta Meisner – er war Oboenspieler, sie Sängerin – habe sich an der Bundesstraße eine wundersame Welt geschaffen. Eine Attraktion auch: die gläserne Wanne, in der eine Frau „badete“. „Wenn alle Lokale schlossen, zog man weiter in die Oase“, berichtet Michael Böhm.

Die Oase der ersten Zeit brennt Anfang der 1960er Jahre ab. Es entsteht der Neubau mit Zinnen und Türmen sowie direkt angrenzenden Wohnungen. In einer lebt heute Michael Böhm. Er übernahm 1998 das Gebäude von Alfred Meisner. Der habe die Oase bis zu seinem 89. Lebensjahr noch geführt. Böhm beschreibt ihn als Original, auffallend auch seine Erscheinung. „Er trank immer sein Guinness.“

Von der Zeit, als Alfred Meisner das Lokal führte, sind heute noch an den Wänden die exotischen Masken aus Holz zu entdecken. Ein Hirschkopf mit mächtigem Geweih hängt im Eingangsbereich. Gäste „empfängt“ er keine mehr. (VON NORMAN REUTER)

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