Großer Zulauf bei Deutschkursen für Migranten in Uelzen – aber rechtliche Hürden erschweren Arbeit

Lerneifer und eine leckere Torte

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Für die Integration von Migranten sind Deutschkurse sehr wichtig. Doch Asylbewerber, deren Antrag noch nicht geprüft ist, haben häufig keinen Anspruch auf sprachliche Hilfen. Hier müssen nach Ansicht von Experten staatliche Hürden abgebaut werden. Foto: dpa

Uelzen/Landkreis. Sie kommen unter anderem aus dem Iran, dem Irak, Afghanistan und Rumänien und lernen gerade fleißig Deutsch.

Wenn man sie fragt, wie ihnen der Sprachkurs bei der „Aktion Gemeinschaftssinn“ gefällt, bekommt man als Antwort ein vielstimmiges „sehr gut“. Die Rede ist von Asylbewerbern und Zuwanderern, die von dem gemeinnützigen Verein mit Sitz an der Uelzener Hauenriede unterstützt werden.

Zwei Sprachkurse mit jeweils etwa zwölf Teilnehmern laufen dort derzeit unter der Leitung von Deutschlehrerin Rita Bünermann. „Unsere beiden neuen Sprachkurse, die im April beginnen, sind mit insgesamt 28 Anmeldungen bereits ausgebucht“, berichtet Anita Thalacker, Vorsitzende der „Aktion Gemeinschaftssinn“. Sie ist vom Lerneifer der Kursteilnehmer angetan. Und auch der Zusammenhalt der Gruppe ist gut: Als Rita Bünermann kürzlich Geburtstag hatte, gratulierten ihr die Sprachschüler mit einer leckeren selbst gebackenen Torte.

Auch in anderen Einrichtungen im Landkreis gibt es Angebote für Migranten. So wartet die Ländliche Erwachsenenbildung in Uelzen mit Integrationskursen auf. Ein breites Spektrum an Hilfen gibt es auch beim Jugendmigrationsdienst (JMD) des Christlichen Jugenddorfes Göddenstedt. Dieser fördert zum Beispiel mit dem Sprachprojekt „HASKEFF“ die Integration von schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen, sagt Silvia Helms, Leiterin des Jugendmigrationsdienstes. Außerdem werden eine Hausaufgabenhilfe, ein Mittagstisch, Integrationskurse, Elternbegleitungen und vieles mehr angeboten.

Trotzdem wünscht sich Helms, dass Bund und Länder rechtliche Hürden abbauen, damit Asylbewerbern noch besser geholfen werden kann. Die eigentliche Aufgabe des JMD sei, Angebote für Flüchtlinge zu schaffen, die bereits einen festen Aufenthaltstitel in Deutschland haben. Doch für neu angekommene Asylbewerber – mit Ausnahme der bundesweit 10 000 Kontingentflüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien – gebe es theoretisch keine Anlaufstellen in Uelzen. „Das ist ein absolutes Manko. Hier müssen konkrete Angebote geschaffen werden“, fordert Helms. Daher sei der Jugendmigrationsdienst bemüht, allen Menschen zu helfen, die sich an ihn wenden. „Wir schicken niemanden weg und versuchen, individuelle Lösungen zu finden“, betont Helms.

Doch das ist oft nicht so einfach. So bietet die Kreisvolkshochschule (KVHS) Uelzen/Lüchow-Dannenberg zwar einen Sprach- und Integrationskurs für Migranten an, der vom Bund gefördert wird. Aber die Teilnehmer müssen nachweisen, dass sie einen Förderanspruch haben, erklärt KVHS-Geschäftsführerin Almke Matzker-Steiner. Asylbewerber, deren Antrag noch geprüft wird, können somit nicht daran teilnehmen. Nicht nur deshalb fordert Claus-Dieter Reese, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, die Asylverfahren zu beschleunigen. „Sonst verschenkt man ein bis eineinhalb Jahre, bis die Menschen Sprachkurse bekommen“, warnt er.

Von Bernd Schossadowski

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