Leitfaden für die nächsten 15 Jahre

Wie wird und wie muss sich die Verkehrssituation in Uelzen bis zum Jahr 2025 entwickeln? Dazu stellten zwei Experten eines von der Stadt beauftragten Ingenieurbüros jetzt Prognosen und Handlungsempfehlungen vor.

Uelzen - Von Bernd Schossadowski. Der Bau der Autobahn 39 würde die Verkehrsbelastung auf der Bundesstraße 4 im Bereich der Stadt Uelzen nur geringfügig reduzieren. Dafür würde sich aber die Zahl der Fahrzeuge auf Uelzens Zubringerstraßen zur geplanten Autobahn deutlich erhöhen. Das ist ein Ergebnis einer aktuellen Studie zur Verkehrssituation in der Uhlenköperstadt im Jahr 2025. Erstellt wurde sie vom Hannoveraner Büro SHP-Ingenieure im Auftrag der Stadt.

Der geschäftsführende Gesellschafter des Büros, Jörn Janssen, und sein Verkehrsplaner Tim Gerstenberger stellten den Entwurf der Studie jetzt dem Stadtplanungs- und dem Entwicklungsausschuss vor. Ein wichtiger Aspekt sind dabei die aktuellen und zu erwartenden Verkehrsströme. Dazu hat das Büro mit der Unterstützung von Schülern an 31 Knotenpunkten der Stadt die Fahrzeuge gezählt und an neun Stellen Verkehrsteilnehmer befragt.

Das Ergebnis: Zurzeit passieren bis zu 17 000 Fahrzeuge pro Tag die B 4 im Bereich Uelzen. Etwa ebenso viele sind es auf Teilen der Ostrings. Für den Fall, dass die A 39 nicht gebaut werden sollte, erwarten Janssen und Gerstenberger für das Jahr 2025 einen Verkehrsanstieg um rund neun Prozent auf B 4 und Ostring. Konkret bedeutet das bis zu 18 000 Fahrzeuge pro Tag. „Das ist zwar eine Zunahme, aber das wird man nicht merken“, sagte Gerstenberger. Sollte die A 39 bis dahin jedoch fertig sein, wird sich den Prognosen zufolge die Verkehrsbelastung auf B 4 und Ostring auf jeweils rund 16 000 Fahrzeuge pro Tag verringern.

Ganz anders sähe die Situation hingegen auf den zur A 39 führenden Bundesstraßen 71, 191 und 493 aus, berichtete Gerstenberger: „Dort erwarten wir deutliche Belastungsanstiege um etwa 29 Prozent. Der Verkehr, der früher über die B 4 fuhr, wird sich dann neu orientieren – hin zur A 39.“

Zudem gaben die beiden Experten konkrete Handlungsempfehlungen für die Verbesserung des Straßenverkehrs in Uelzen. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

• Kraftfahrzeug-Verkehr: Hier muss die Stadt nach Ansicht von Janssen und Gerstenberger versuchen, den Verkehr bis 2025 verträglicher zu gestalten. Neben dem Bau der Kirchweyher Ortsumgehung wird unter anderem empfohlen, Durchgangsverkehre auf untergeordneten Straßen zu vermeiden und mehr Kreisel „als betrieblich günstige und verkehrssichere Knotenpunktform“ zu bauen.

Im ruhenden Kfz-Verkehr schlagen die Experten vor, die Zahl der Parkplätze im unmittelbaren Straßenraum – außerhalb von Parkbuchten – zu verringern. Zudem sollte es keine kostenfreien Stellplätze mehr geben, einheitliche Gebühren seien hier sehr wichtig. Auch raten die Referenten zur Ausweitung von Anwohner-Parkzonen und zur stärkeren Parkraum-Wegweisung, um Suchverkehre zu vermeiden. Nicht zuletzt müsse der Schwerlastverkehr intensiver gelenkt werden, etwa über die Entwicklung eines Lkw-Stadtplans, der Daten für Navigationsgeräte liefert.

• ÖPNV: Hier sollen der Stadtbusverkehr ausgeweitet und das Linien-Angebot ergänzt werden. Ebenso sehen Janssen und Gerstenberger den Ausbau der Fahrgast-Information, die gestalterische Aufwertung von Haltestellen und mehr Barrierefreiheit als erforderlich an. Auch von der Einführung eines Rufbus- und Bürgerbus-Systems könne Uelzen profitieren.

• Radverkehr: „Die Randbedingungen hierfür sind in Uelzen verbesserungswürdig“, betonte Gerstenberger. Einige Radwege seien in schlechtem Zustand, zum Teil fehlten Anschlüsse und Wegweiser. Daher sollten zusätzliche Radwege gebaut und ein städtisches Radroutennetz erstellt werden.

• Fußgängerverkehr: Auf Gehwegen sollten Lücken geschlossen und grobe bauliche Mängel beseitigt werden, lautet eine Forderung. Neue Gehwege müssten mindestens zwei Meter breit und gut beleuchtet sein. Auch die Schaffung weiterer Überquerungshilfen sei ratsam, ebenso die Vermeidung unübersichtlicher Wegeführungen.

Janssen und Gerstenberger verstehen den vorgestellten Entwurf als Handlungsschema der Uelzener Verkehrsplanung für die nächsten 15 Jahre. Das von ihnen formulierte Leitbild soll Verwaltung, Politik und Planern als Orientierung dienen. Konkret wird das in den kommenden Monaten: Dann soll in den politischen Gremien der Stadt über den Verkehrsentwicklungsplan beraten werden.

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