Der leise Abschied

Nach mehr als zehn Jahren: Aus für die Stadtführung mit dem Nachtwächter in Uelzen

Nachtwächter Harald Meyer bei der Schilderung des großen Stadtbrandes in Uelzen von 1646. Nach mehr als einem Jahrzehnt ist jetzt Schluss mit den Stadtführungen.
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Nachtwächter Harald Meyer bei der Schilderung des großen Stadtbrandes in Uelzen von 1646. Nach mehr als einem Jahrzehnt ist jetzt Schluss mit den Stadtführungen.

„Das wird doch sowieso nichts. Das kann nichts werden. “ So reagierte vor mehr als einem Jahrzehnt ein hochrangiger Verwaltungs-Vertreter der Stadt, als Harald Meyer ihm sein Projekt einer „Stadtführung mit dem Nachtwächter“ vorstellte.

Uelzen – Da aber hatte er nicht mit der Hartnäckigkeit des Harald Meyer gerechnet.

Mithilfe geschichtlich versierter Freunde suchte er in alten Aufzeichnungen aus Uelzens Historie Episoden für diese etwas andere Art einer Stadtbesichtigung zusammen, bearbeitete diese, schrieb „Drehbücher“ und Dialoge und schuf so eine dichte und in vielen Teilen auf tatsächlichen Begebenheiten beruhende Szenenfolge. Doch damit ist jetzt Schluss (AZ berichtete).

Am 27. November 2009, dem Sonnabend vor dem ersten Advent, fand die Premieren-Führung statt. Insgesamt begrüßte Harald Meyer als Nachtwächter bei 330 Führungen über 13 500 Teilnehmer aus der Stadt, dem Kreisgebiet und von weiter her – sogar Besucher aus dem Ausland zeigten Interesse an Uelzens Stadtgeschichte und folgten dem Mann mit der Hellebarde.

Eine einzigartige Erfolgsgeschichte

Die „Stadtführung mit dem Nachtwächter“ war eine einzigartige Erfolgsgeschichte und ein wahrer Werbeträger für den Tourismus in Uelzen. Einschließlich der ausgeschiedenen und neu hinzugekommenen Laienschauspieler gehören insgesamt 30 Personen zum Stab, der Mindestbestand von 24 wurde dabei nie unterschritten. An den einzelnen Führungen wirkten jedes Mal 14 bis 16 Mitglieder mit – ob es nun regnete oder schneite: Nicht eine einzige angesetzte Führung ließ die Truppe ausfallen.

Sie spielten ihre Szenen bei jedem Wetter, von -25 Grad bis zu über 30 Grad war alles dabei. Ende 2020 sollte – so wollte es ein Beschluss vom Jahresbeginn – Schluss damit sein. Für den 18. November war der letzte Stadtrundgang geplant, doch – wie fast alle Führungen in diesem Jahr – ist auch diese coronabedingt ausgefallen. Vor dem endgültigen Schlussstrich hätte es am 13. Dezember, dem Tag, an dem sich die Verleihung der Stadtrechte zum 750. Mal jährte, noch eine Sonder-Aufführung des Nachtwächter-Teams im Ratssaal geben sollen, inklusive einer Überraschung anlässlich dieses „Geburtstages“ für die Stadt.

Stattdessen saß Harald Meyer am Mittwochvormittag Bürgermeister Jürgen Markwardt in dessen Büro im Rathaus der Hansestadt gegenüber, um ihm vom leisen Abschied dieser im weiten Umkreis einmaligen Stadtführung zu berichten und vorzubringen, dass es ihm schon sehr wehgetan habe, was er aus der Uelzener Touristik zu hören bekommen hatte: „Es war eine schöne Zeit mit euch, aber zu Ende ist zu Ende.“

Verabschiedung in Planung

Das wollte Markwardt nicht so stehen lassen. Er lobte Meyer und die vielen ehrenamtlichen Mitspieler bei den szenischen Führungen für ihren jahrelangen Einsatz im Sinne der Stadt und sicherte für die Zeit „nach Corona“ eine formelle und würdigende Abschiedsveranstaltung zu. Beide, Markwardt und Meyer, denken dabei an einen Termin im Juni 2021 und hoffen, dass durch Impfungen und weiteres Beachten der Hygienemaßnahmen bis dahin wieder Zusammenkünfte möglich sein werden.

Bei diesem offziellen Ende der Nachtwächter-Führung möchte Meyer dann nicht nur seinem „Gefolge“ danken, sondern auch allen Sponsoren und Geldgebern danken. Denn ohne die wäre vieles nicht möglich gewesen, hätte es unter anderem die Kostüme nicht gegeben, hätte die Gruppe nicht an einigen „Hansetagen“ teilnehmen können. Und es hätte nicht die „Brotzeit“ verteilt werden können jeweils im Anschluss an den Vortrag des „Brauers und Bürgermeisters Ellerndorf“ in der Hannemann‘schen Twiete.

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