Krise lässt Klassiker auferstehen

Leinwand auf Albrecht-Thaer-Gelände: Uelzen bekommt ein Autokino

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Autokinos wie hier in Sachsen sind in ganz Deutschland wieder vermehrt zu finden. In Uelzen sollen auf dem Albrecht-Thaer-Gelände 250 Autos Platz finden.

Uelzen – Renate Böhm ist Feuer und Flamme. „Das hat doch kein Mensch erwartet, dass so etwas hier mal stattfindet“, meint das Gesicht des Uelzener Central-Theaters.

Mit „so etwas“ ist das Autokino gemeint, das Böhm gemeinsam mit Tochter und Schwiegersohn, Barbara und Jürgen Bode, auf die Beine stellt.

Auftakt soll am Freitag auf dem Albrecht-Thaer-Gelände mit der Komödie „Das perfekte Geheimnis“ sein.

Bereits vor mehreren Wochen sei ihr die Idee dazu gekommen, wie Böhm erzählt. Woran es gefehlt habe, war das technische und logistische Know-How. Ein Autokino brauche andere Voraussetzungen als ein herkömmlicher Lichtspielsaal. Partner wurde bei dem Projekt Lukas Tomko von der Hamburger Event-Agentur Morgenwelt. Er plante ebenfalls ein Autokino, hatte jedoch keine Kontakte zu Filmverleihern. So habe man sich mit den jeweiligen Fähigkeiten zusammengetan, sagt Renate Böhm.

Anlass für das Autokino war laut Böhm unter anderem die wegen der Corona-Krise ausgefallenen Veranstaltungen im Rahmen des Stadtjubiläums. Die Veranstaltungen zum 750. Geburtstag Uelzens fallen weitestgehend aus. Man wolle den Leuten trotzdem etwas bieten. Und Barbara Bode ergänzt: „Die Idee dahinter war wirklich: Wir für Uelzen.“

Doch der Weg bis zum Autokino war steinig. Die größte Herausforderung sei es gewesen, eine geeignete Leinwand mit ausreichender Größe zu bekommen. Rund 250 Autos sollen auf dem Gelände Platz finden – gebucht wurde nun eine 112 Quadratmeter große LED-Leinwand. Zudem habe es eine wochenlange Vorbereitung mit den Verleihern gebraucht, um zu klären, welche Filme überhaupt gezeigt werden können.

Und auch in der Organisation des Verkehrs liege eine Herausforderung, ergänzt Lukas Tomko. Man müsse „in relativ kurzer Zeit relativ viele Autos an die richtige Stelle bringen.“ Dazu wurden nun wieder einige Minijobber eingestellt, die zuvor schon im Central-Theater gearbeitet hatten, wegen der Schließung jedoch vorübergehend gekündigt wurden. Auch die technischen Voraussetzungen mussten geschaffen werden. So müsse das Autofenster nicht heruntergekurbelt werden, verspricht Tomko lachend. Stattdessen wurde eine eigene UKW zugeteilt, wodurch der Ton des Films über das Autoradio zu hören sein wird.

Karten können ausschließlich online im Vorverkauf über die Homepage des Central-Theaters erworben werden. Dabei ist zu beachten, dass pro Fahrzeug maximal zwei erwachsene Personen plus eigene Kinder erlaubt sind.

Trotz aller Herausforderungen ist Renate Böhm von der Idee überzeugt. Sie sei froh, „in dieser Zeit überhaupt wieder Kino zu machen.“ Einen Blick voraus wirft sie dennoch schon mal: Derzeit strebe die Kinobranche eine bundesweite Öffnung an. Jürgen Bode ist sich sicher: „Es wird einen Soft-Start geben. Wie ein stotternder Motor, der langsam anläuft.“

VON DANIEL BIELING

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