Verwüstung mehrerer Züge: Metronom plant Appell an Fans von Werder Bremen und Hamburger SV

„Leider der normale Wahnsinn“

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Der Bezug dieses Zugsitzes wurde von Unbekannten aufgeschlitzt, das Füllmaterial herausgerissen.

Uelzen. „Die Situation an Bord war chaotisch. “ Mit diesen Worten beschreibt Metronom-Sprecherin Birthe Ahting die Ausschreitungen von Fußballrowdys in Zügen der Uelzener Eisenbahngesellschaft.

Wie berichtet, musste der Metronom 82129, der am Samstag um 19.54 Uhr vom Hamburger Hauptbahnhof nach Uelzen fahren sollte, wegen der Zerstörungen komplett ausfallen. Doch auch mindestens zwei bis drei weitere Metronom-Züge wurden von Randalierern beschädigt und vermüllt.

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Chaoten wüten im Metronom

Noch am Samstagabend seien die am schlimmsten betroffenen Züge gereinigt worden, berichtet Ahting. Dazu sei kurzfristig zusätzliches Personal von einer Reinigungsfirma angefordert worden. Einige der beschädigten Züge seien auch schon wieder im Einsatz. „Die anderen Wagen werden derzeit von uns instand gesetzt.“ Vor allem die Deckenverkleidungen seien massiv zerstört worden.

Leere Bierdosen, Plastiktüten und heruntergerissene Kabel: Fußballrowdys haben in mehreren Metronom-Zügen Verschmutzungen und Beschädigungen verursacht.

Schon im Vorfeld habe sich Metronom auf mögliche Ausschreitungen rivalisierender Fans aus Bremen und Hamburg vorbereitet. „Wir hatten 20 Sicherheitskräfte extra an Bord. Doch aufgrund der großen Zahl an Fans war es sehr schwierig, das Alkohol- und Rauchverbot in den Zügen durchzusetzen“, erklärt Ahting. Die Folge waren Hunderte leerer Alkoholdosen und -flaschen sowie zahllose Zigarettenkippen in den Wagen.

Doch wie lassen sich solche Ausschreitungen künftig vermeiden? „Das ist leider der normale Wahnsinn“, sieht Ahting nur wenige Handlungsmöglichkeiten. Auf jeden Fall werde Metronom nun mit den Vereinen Werder Bremen und Hamburger SV sprechen. Das Ziel sei, gemeinsam an die Fans zu appellieren, sich in den Zügen friedlich zu verhalten. Beförderungverbote im Metronom seien dagegen „nur in extremen Einzelsituationen“ und nicht im Vorgriff möglich, so Ahting.

Gleich mehrfach zerschlugen die Randalierer die Deckenverkleidung der Züge.

Für vergangenen Sonnabend hatte die Bundespolizeidirektion Hannover eine Allgemeinverfügung erlassen, nach der in einem bestimmten Zeitfenster in betroffenen Zügen und Bahnhöfen keine pyrotechnischen Gegenstände transportiert werden durften. In einem Fall sei durch einen im Zug gezündeten Rauchkörper dagegen verstoßen worden, bestätigt Holger Jureczko, Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Bremen. Diese Verbote sollen auch künftig erlassen werden, wenn bestimmte Spiele anstehen. „Jedes Spiel unterliegt einer eigenen Risikobewertung“, erklärt Jureczko.

Betroffen sei davon auch der Uelzener Bahnhof als Umsteige-Ort für Fahrgäste des Nahverkehrs, wo sich in den engen Tunneln schnell ein Stau bilden könne. Dabei ist laut Jureczko der Aufwand gewachsen: Während in den vergangenen Jahren Fans ihre Ankunft für zwei Stunden vor Spielbeginn planten, reisen sie derzeit häufig bis zu sechs Stunden früher an- und auch erst später ab. Das bedeute für die Bundespolizei einen langen Einsatz und eine größere logistische Herausforderung, um zu vermeiden, dass sich gegnerische Gruppen treffen und andere Reisende stören.

Von Bernd Schossadowski und Diane Baatani

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