„Es erquickt mich“

Leidenschaftlicher Sammler archiviert 1.001 Dinge aus und über Uelzens Geschichte

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Wenn Dieter Boe mal schlechte Laune hat, helfen ihm die vielen gesammelten Zeitungsausschnitte, die zahlreichen Bücher und Gläser aller Art, um seine Stimmung aufzuhellen. 

Uelzen-Westerweyhe. Es ist Dieter Boe am liebsten, wenn er keine Rekorde bricht. Über die Regalmeter seines Archivs mag er nicht sprechen, die Zahl der „Uelzensien“ hat er nie ermittelt.

Er sei eigentlich ein Mann, der sich im „im Hintergrund hält“, sagt Boe über sich selbst. Und doch ist er geachtet und geehrt: mit den goldenen Nadeln der Hansestadt und des Museumsvereins.

Boe ist heute 75 Jahre alt. Er war 27 Jahre lang im Ehrenamt Schiedsmann. Er hat beim SC 09 am Fischerhof Fußball gespielt. Und neben „viel frischer Luft“ und seiner Arbeit für die Uelzener Sparkasse den Weg des Hobbyhistorikers gewählt. „Es fing alles damit an, dass ich mit 15 Jahren in meiner Abschlussarbeit an der Mittelschule über St. Marien geschrieben habe“, sagt Boe.

Und er ist eben „Uelzer“. In Uelzen geboren, aufgewachsen und verwurzelt, war er 49 Jahre und einen Monat für die Sparkasse tätig. „Nur wer Uelzen als Geburtsort in seinen Papieren eingetragen hat, ist Uelzer“, sagt Boe. Darauf habe man sich mal verständigt. Und so darf der Uelzer Boe auch getrost Uelzensien sammeln. „Also alles, wo Uelzen draufsteht.“ Es sind unter anderem Teller, Aschenbecher, Zollstöcke, Flaschenöffner, Bierflaschen, Krüge und Gläser. „Ein Schwerpunkt“, sagt Boe, „ist die ehemalige Brauerei.“ Und es fehlt nicht viel, Boe hätte für den Besucher den passenden Band aus dem Regal gezogen.

Denn das ist sein Reich. Im Souterrain eines Einfamilienhauses in Westerweyhe reihen sich die Uelzensien in Vitrinen. Und hängen alle Merian-Stiche von Uelzen an der Wand. „Meine Frau hat das akzeptiert“, sagt Boe. Und dann führt er hinein ins Allerheiligste, das Arbeitszimmer. Schreibtisch, Computer, ein Lesegerät für Archivmaterialien – und Literatur in Regalen ringsum. Den „Heidewanderer“ der AZ hat er fast komplett archiviert. Hinzu kommen Schriften, Nachschlagewerke, Bücher, Mappen und Zeitungsausschnitte. Hier die Stadt, dort der Landkreis, dann Niedersachsen. „Man könnte sagen: Es erquickt mich“, sagt Boe. Vor allem dann, wenn er mal schlechte Laune hat.

So hat sich Boe, der bei den Uelzener Nachtwächtern seit 2009 den Kaufmann spielt, der die Eulen im Sack kauft, vor allem der Ahnenforschung verschrieben. Jahrelang leitete er im Museumsverein die entsprechende Arbeitsgruppe. Zahlreiche Bände mit zehntausenden Datensätzen aus alten Kirchenbüchern des Landkreises entstanden auf diese Weise. Und Boe hat für sich und seine Frau, eine gebürtige Ebstorferin, zum Privatvergnügen eine Ahnentafel mit 1243 Personen erstellt, von denen man abstamme.

Das konnte auch sein Sohn Henning nicht ahnen, was sein Vater in Jahrzehnten daraus machen würde. Er war ja nur aus der Schule gekommen mit der Hausaufgabe, eine kleine Ahnentafel zu erstellen. Doch Dieter Boe ließ die Genealogie nicht wieder los, „weil man nur gut in der Gegenwart leben kann, wenn man über die Vergangenheit Bescheid weiß“, sagt Boe. So pflegt der Uelzer Boe weiter sein Archiv und hofft auch auf „Zufallsfunde für die Ahnenforschung“. „Ich will eigentlich irgendwann in Ruhestand gehen“, sagt er. Und hat eines schon geregelt: „Meine Bücher wird das Museum bekommen.“

Von Christian Holzgreve

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